Deutsche Monatshefte in Polen, 1943, Jg. 9 (19), Heft 12

Pełen tekst

(1)

'7 r ‘-

Źanófd)aft u n w e it der 2>üna. Ącerftragc a^örfd>au - Petersburg

(2)
(3)

SeufJdje M onatsljeffe

fuc 6 c f ^ i d ) t e un6 0eg entöact de« <Öftöeutfd)tum8

3a^c0an0 9 (19) J u n i 1943 ^ e ft 12

Äuct ®eclad)

^ I d ( ! m b b t t t e u t f d ) e ® ( i e n *

3(lß ©D'etre 1798 in öer gegen ©djmiöt non ©erneuten geridjteten Xenie fid) über bie ©ufen unb ©ragten in ber H la rf luftig ma^te, aljnte er nid>t, bag in eben biieifem fdjeinbar fo unmufifdjen ©ftelbien ber öidjter im femmen toar, ber fid) erfügnen feilte, igm ben ^rang non ber ©tirne gu reigen. Dag ©eetge nadfger 3U ifileiftß © e rl fein Dergättnis finben fonnte, roie es in feiner itblegnung ber „Pentgefilea" unb in feiner au<g megr negatinen ails pogtiuen ©ürbigung bes

„SUicgael ^oglgaas" u. a. sum ilusbrutf fommt, ift gutiefft in ber £atfacge be=

grünbet, bag Sleift ein fo e^ter ©ogn feiner oftbeutfcgen ^eimat ift. ©enn ©oetge au<g frig if^ gegnnt mar, fo ift igm ber beutif<ge 0ften als fol<ger tuagrenb feines gangen lebens fremb geblieben, mofür au^ bas ein Peleg ift, bag er im bitter no(g fü r bie © o tif bes Äolner Doms, bagegen nid)t für bie ber ©arienburg fi(g begeiftern lagen fonnte. Der oftpommerfcge 3unfe«fprog Sleift gatte ficg freilid) nicgt megr unb nicgt meniger oorgenommen, als ogne Dopbilb unb bamit aus bem nidjts geraus bem beut|f<gen ©ften bie igm roefensgemage Didjtung gu f<gaffen, roenn mir einmal fo nü<gtern unb rational bie 33id)tung, bie ber Meiftfcge ©enius einfdjlug, umfcgtdben bürfen. Denn bag insbefonbere bie ©ragobie „pentgefilea", bas ©cgaufpiel „Pring uon ^omburg" unb bie ©rgaglung „© i^ a e l Äoglgaas”

©eftaltroerbungen oftbeutfd)er ©irfli<gfeit genannt roerben mügen, roerben mir im tfolgenben erroeifen. ©ielanb rougte fid) bas llngegeuerlidje non ßleifts Beginnen nid)t anbers beutlicg gu matgen, als bag er bie Dorbilber non ^lifdjylos, ©opgof'les unb ©gafefpeare gugleid) befdjroor. ©enn gcg ©ielanbs £frteil aud) auf ben

„©uisfarb" begog, fo bürfen mir bo<g •annegmen, bag bie genannten brei ©erfe bem in feinem erften 5lnfturm €rreid)ten nagefommen. Dabei gatte fcgon ein anberer ©ftbeutfcger, nämilicg ber ©ftpreuge gerber, ben 3rrroeg ber bisgerigen beutfdjen Didjtung erfannt, beren Pägrmutter ftatt ber eigenen beutggen ©irflicg=

feit bie © eit ber Slntife mar, gatte er bocg bie flagif<ge lite ra tu r eine luftblafe unb ogne $ug auf bie beutf(ge €rbe gegeigen. ©enn ßleift nun ogne jebe 5ln=

legnung an bie antife © eit bie © irflicgfeit feines lebensraumes unb b. g. alfo

©ftelbiens bicgterifcge ©eftalt merben lieg, fann es uns nid)t munbern, bag igm fein überfügnes Unterfangen m<gt glei<g glü(fen mollte unb er in feiner öergmeif=

lung glaubte, bag bie ßunft in bieifem „norblidjen lanbfiri<g" no<g nidjt reifen mollte. ©erabe biefer ßleiftfcge 5lusbrucf belegt, roie gebunben g<g Sleift an feine

^eimat füglte, bag igr-e ©ortmerbung fein eigentlidjes 3iel mar. ©in roeitercr Beleg fü r ßleifts ©ebunbengeit an feine ^erfunft ift bie Binbung an feine (familie, morauf ©genauer aufmerffam gema<gt gat Öagrbud) ber ^leiftgefellfcgaft, 1937).

5ln feine Braut fdjreibt er im 3uni 1801, als er na<g P aris aufgebrocgen ift:

(4)

„töeftern enWtd; I)aBe id) jum .erftenmate an meine (familie nad) Pommern ge=

fd)rieben — feilte man o>ol)l glauben, baß ein JBenfd), 6er in feiner fam ilie 5111 e s fanb, toas fein ^erg binöen fann, liebe, Dertraueu, 0d)onung, ilnterftüßung mit 5latb unö Catl) fein öaterlanb oerlaffen fann, oßne felbft 'einmal fdjriftlid) 51bfd)ieö gu nelymen uon feinen Derroanbten? — Ün6 6od) Jin6 ifie mir 6ie liebften un6 t()euerften ffHenfdjen auf 6er IPelt!"

©o fonnen mir mol)l behaupten, 6aß Sleift gmar ohne febes literarifd)e Dorbilö, aber fraft feiner oftbeutfdjen €rbmaffe 6aran ging, eine eigenftanöige 6eutifd)e Dichtung gu fchaffen, bie banf ihrer ilnabhängigfeit non ber Bilóungsroelt 6er 51ntife ein ausfdjließiid) oftbeutifdjes ilntHiß tragen mußte, tüdhrenb leffing feine Cragobie „€m ilia © alotti" gang anttfürlid) nur auf ©runö feines Bilbungsauffens in eine bhenaiffanceroelt uerfeßte, mar es bei Sleift nicht Zufall, baß er eine bfttid)=

Ibarbarifdje Königin gur ^elbin feiner ©ragobie machte, uon ber er felbft gefagt hat, baß er in fie ben gangen ©lang unb bie gange Onbrunft feiner ©eele gelegt hat.

©erabe bie Königin bes männerlos gemorbenen ©fythenoolfes erfdyien bem ©ohn bes ©ftens geeignet, fein eigenes fühlen gu nerfotpetn. Darüber hinaus hat er in ber 5luseinanberfeßung ber oftli^en ©armatenfonigin unb bes flaffifchen 5l<hiH feine iluseinanberfeßung mit ber bisherigen uon ber 5lntife gegängelten beutfdyen Dichtung gegeben, 'töenn steift ben S onflift aus bem füblich^fchmiegfamen Cha=

rafter 5lchilts unb bem oftlich=herben Chatafter Pentheßleas notmenbig etmachfen läßt, fo hat er bamit feine Slbergeugung fymbolißert, baß ber oftbeutfdye anbers als ber fübbeutfdye Plenfd) oom gried)ifchen tDefen gu uerf<hieben ift, um mit ihm eine fruchtbare Derbinbung eingugehen. tö ir uerftehen nun, marum ber flaffif^e

©oethe bie oftlidye ©armatenfonigin oerroerfen mußte.

©in anchtiger SPefensunterfdjieb groif^en 5l<hitl unb Pentßefilea fcheint mir not allem in bem ilmftanb gum 5lusbrud gu fommen, baß 5lchill fid) feßr leicht aus ber ©emeinfchaft ber ©riechen löft, tuährenb Penfßefilea erft im Co be ßch non 6er

©emeinfdjaft ihres Öolfes gu fdjeiben uermag. Damit hat M eift bie notroenbigfeit bes fantifch=preußifchen ©ollens aufgegeigt, benn gerabe 6er Plenfch bes 0ftens ift ohne ein folches ©efeß ber Ülaßlofigfeit feines fühlens überantroortet, roie bas Sileift an fich felber erfahren hat. £)ingu fommt nod) bie geopolitifdye ©egebenheit ber offenen ©rengen ber meiten oftlichen ©bene, in ber fid) alfo geroiffermaßen bie

© tru ftu r bet ©eele bes oftlichen STtenfchen miebetifpiegelt. Der frauenftaat ber 5lmagonen ift fa nun insbefonbere ein ©ymbol für ein ©taatsgebilbe ber oftlichen töeite, muß er bod) fein bloßes Dafein fid) febes 3ahr in bem bem Dermählungs=

feft uorangehenben Śampf neu erftreiten. Don einem italienifchen 5lutor ift feßt bie ©ntftehung bes preußifdyen ©eneralftabes gerabegu aus ber gefährbeten läge bes ^ohengollernftaates abgeleitet roorben. Dementfprechenb fann man es nicht Zufall nennen, baß ber fategorif^e Umperatb gerabe in Königsberg uerfünbet morben ift. ©s rserbient barum auch ermähnt gu merben, baß auch bie „Penthe=

filea" in Königsberg gefdyrieben roorben ift, mohin Kleift infolge feines © intritts in ben preußifdjen ©taatsbienft gefommen mar. 3ft in biefem Drama bie ftaat=

li^e unb uolflidye Binbung no^ uornehmlid) als 3roang unb feffel ber inbi=

uibuellen leibenfdjaft geftaltet, entfpredjenb Kleifts noch negativer ©inftellung gur preußifdjen tO irfli^fe it, fo madjt ihn Preußens Pieberlage gum entfchiebenften 5lnmalt bes ftaatli^en ©tfjos, mofür fein Drama „P ring non Homburg" ber befte Beleg ift. Das Bemerfensroertefte ift aber nun, baß ben ©eftatten biefes Preußen»

bramas biefelbe ©tärfe ber ©efüßlsfraft mie Penthefilea eignet, fo baß bie net»

470

(5)

gctngene liberale 3eit aud> in biefem örama öen <5ieg öes <5efül)ts über bas ©eifet?

geftaltet feljen iroollte. öabei tonnte fileift jid) m irflid) ni<J)t einöeutiger auf 6ie

©eite bes ©efe^es [teilen, als er es getan ll)at, roenn ber 5lnroalt bes ©efüljls, ber Pring oon ^omburg, flc^ am ©cfjtuß bes Dramas bebingungslos für bas 2\ecf)t bes ©taates erflart unb bamit bie Haltung bes tturfürften, ber bas ©efe^ als bie ifRutter [einer ^rone begeidjnet, gu feinet eigenen mad)t. 3a, M eift unterftreidjt nad)brü(flicl)ft biefe iluffaffung burd) bie tDorte bes "pringen, baß ber ©ieg „übet ben r>erberb:lid)ften ber Seinb’ in uns, ben ©roß, ben Slbermut" ber größte ©ieg [ei, ben ber STtenfd) erringen tonne, unb burd) bie blntmort bes ^urfürften auf bie[es Befenntnis bes ipringen, baß ißm aus [ebem IPort bes "Prinjen ein ©ieg aufblüße, ber ben äußeren tfeinb ju ©taub malme. Die 51usfüßrungen bes ©berß Sottmiß, bie man befonbers gern für bie liberale Ausbeutung bes Dramas ins

©reffen füßrte, tut ber fturfürft bod) beutlid) mit ber Bemertung ab, baß [ein

©eßrbegriff ber Jreißeit fpißfinbig fei unb baß er ißn gleid) einem Knaben ent=

roidelt ßabe.

3m llnter[d)ieb gut „Pentßeßlea" [teilt aber ttleift in [einem leßten Drama bas

©efüßl nid)t als einen mit ber [taatlidjen Binbung unoereinbaren ©egenfaß ßin, fonbern [eßt glaubt er an bie Sttöglicßfeit einer Perbinbung oon inbioibueller

©efüljilsfraft unb überinbioibueller ^orberung, roie bas aud) ber untragifdje Aus=

gang bes „"Prinien oon ^omburg" fymbolißert. steift ßat bamit in biefem [einem bramatifdjen Permäcßtnis bie beiben polaren ©eiten bes oftbeutfcßen iTlen![d)en, als bie man bie irrationale ©emütsfraft unb bie ttraft bes Perftanbes bo^ an=

feßen fann, in eine frucßtbare ©inßeit gu überfüßren gemußt. Silan tann alfo [agen, baß steift ber PoEftreder bes ©rbes ber beiben oftpreußifdjen Antipoben ifamann unb Äant gleicßjeitig ift. Daß ber Ptagus bes Horbens als ber ©ntbeefer ber Intuition unb bes ©eniebegriffs ber gefißrootene ©egner ber „morblügneri»

[cßen" pßilofopßie geroefen ift, brauet n i^ t meiter ausgefüßrt ?u roerben. €s fei nocß baran erinnert, baß ^amann aud) barin ein ecßter oftbeutfcßer Porgänger ffle ifts gemefen ift, baß er fdjon [eine ©timme gegen bie ©ängelung ber beutf^eu Dicßtung bur<ß bie Antife erßoben ßat. Daß ttleift anbererfeits aber aud) jum Pertreter bes [trengen tantilfcßen ©tßos gemorben ift, roirb fcßon in ber [pra^ü^en Formulierung erficßtlicß; als ber Pring ßcß toieber auf [ein befferes moralifcßes

©elbft befonnen ßat, fann er nicßt meßr unteofcßreiben, baß er fcßulblos fei, benn es jieme ißm ju ßanbeln, „mie id) foE", rote et ßd) ber "Pringeffin Hatalie gegen=

über ausbrüdt. Hbrigens läßt ifleift ©oe im Pariant bes „fjerbrocßenen ^rugs"

fcßon benfelben Ausbrucf gebrauten. ^le ift alfo in ber „Pentßefilea" bie inbioibuelle ©eibenfcßaft, in ber „^ermannsfdtlacßt" bagegeri gemäß feiner geroan=

beiten politifcßen Auffaffung bas oaterlänbifcße ©oEen, fo gibt er im p)reußen=

brama bie ©yntßefe biefer beiben fdjeinbar antipobifcßen Haltungen, bie bo^ aud) als bie beiben ©)ole imtPefen bes oftbeutfcßen SHenfcßen 30 nennen ßnb, roieße bet Dicßter in ßcß [elbft erfaßten ßatte. Die ooEfommenfte Perforperung oftbeut[d)en JTfenfcßentums [teilt alfo ber P r in j am ©cßluß bes Dramas bar.

Fragt man nun, roas Steift bagu befäßigte, [eine ©eftalten nicßt roie bie Slaßifer in einem ibealen 2^aum oberßalb ber fDirfticßfeit 3U beßeimaten, fonbern in bie eigene blutooEe ©einsroelt 3U o>erpflan3en, fo fann bie Antroort barauf nur lauten, baß ißn feine oftbeutfcße ©rbmaße ba3U ermäcßtigte. Aucß ber Oftpreuße 3a^arias tPerner [oroie bie Hlärfer Arnim unb Fouque ßaben ßeimatlicße ©efcßidjte brama=

tißert, aber nur bem bicßterifcßen ©enie Sleifts roar es befcßieben, bem oftbeutfcßen 471

(6)

STtenfcfjen feine überjeitli^e Derlebenöigung im öeama ju fdjenfen. © ir erroabnen öiefe ibrei Dramatifet 'f)ier and) aus öem ©tunbe, um bamit 311 belegen, baß Meift«

oftbeutf^e ©tofftoa'bl nid)t etoa eine für fid) aüein bafteijenbe perifSniidjeiTiarotte ift.

öiefen öramatifern |fd)Iießt fid) etroas fpater nod) ber <Sd)lefier «Eidjenborff mit feinem „ffeinrid) uon 'Piauen"=örama an. 2lud) ber ^inroeis auf bie „romanti=

ifcben" ©enbenjen ber 3E't fnnn bie Catfadje ni(bt aus ber © eit fdjaffen, baß ber ßftbeutfdje iTtenlfd) feßt enblid) bagu gelangt ift, feine eigene leiftung ber 2^üd=

germani/Ierung bes ©ftraume bidüerifdje ©eftalt tuerben ju laffen unb fid) bamit gleidjjeitig pon ber antifen Bübungstoelt abgufei3en, ber ber füb= unb roeftbeutfdje

©enfd) por allem perbaftet i f t €s fann lein lu fa ll fein, baß biefe bidjterifc^e

©elbftberpußtroerbung bes ©ftbeutfdjen gerabe in ber 3eit eintrat, als bas ftom ifdjt

?leid) beutfdjer Hation enbgültig ju ©rabe getragen routbe, tpie es aud) lein Zufall war, baß ber pplitifdje Sibergriff bes ©eftens, nämlid) Hapoleons, nad) iTTitteI=

europa pon ©ftelbien ßer, pen Königsberg unb Breslau aus, entfcßeibenb gurü<f=

geif<blagen rourbe. Sleifts iTapoleonbaß — abgefeßen bapon, baß er in ber „£)er=

mannsfcßladjt" boßere bicßterifcße © irllicß le it geroorben ift — ift barum ebemfo roenig eine perfonlitße 5lbfonberlidifeit ju nennen, fonbern in ißm ifpiegelt f l^ bie Haltung bes oftbeutfcßen iltenfdyen pon bamals überßaupt, ber bie freili<ß erjroun' gene rßeinbünbifdje Haltung bes roeftbeutfd)en ©enfdjen nidjt perfteßen lonnte.

Der ©ommer 5lrnbt, ber nocß als fdjroebifdjer ©taatsangeßöriger geboren rourbe, ift gerabe in bieifer Begießung ein roürbiger Ha^folget Äleiffs nacß beffen ©obe geroorben. 3ur Befräftigung pon üleifts gegenüber bem ©eften feinblidßen ^al=

tung fei nod) auf feine burd) einen fürglicßen Brieffunb neu beftätigten Se^ießun*

gen gu bem m ürlif^en §ronbeur gegen ben Liberalismus eines £jarbenberg, Lub=

roig p. b. ittarroiß, ßingeroiefen, roar er bodß no<ß lu r j por feinem ©ob auf STlarroiß'’

©ut im ©berbrmß (pgl. © alter Sayfer in „P istu n g unb Dolfstum" 1934).

©troas porn ©eift bes (Jüßrers ber marfifdjen^ronbe fcßeint uns nun aud) im gelben pon S h ifts größter Ho pelle © o rt geroorben 311 fein. Ilm biefe tfeftftellung poßtiP ausjubrüden, mosten mit fogar behaupten, baß ber ©eift bes oftbeutfdjeit Solonialpiohlers überßaupt uns im ^oßlßaas perlorpert fd)emt. © a n mag pom roeftbeutfdjen ©tanbpunlt fein $eftßalten an feinem Bed)ts= unb ©rbnungsbegriff übertrieben nennen, — ifo laßt aud) ©oetßes S r itil lurg umfcßreiben — , ber oftbeuflfcße ©e«f(ß ßat es erfaßten, baß nur eine folcße rigorofe Haltung ißn be=

faßigt, fi<ß in ber unenblidjen ©eite bes ©ftraums gu behaupten unb m<ßt ber feffellofen ^^^foßrenßeit unb ilnorbnung ber fl am ifdjen Doller anßeimgufallen, roofür etroa 3a<ßarias ©erner als Beifpiel angefüßrt roerben fann, für beffen £jalt=

loßgfeit fein Übertritt gut fatßolifcßen Äirdje begeidjnenb ift. ©etabe bie ©ering=

fügigfeit bes Slnlaffes, roie ße ber Pferbeßanbel barftellt, geigt, baß es S h ift nicßt um ein naturaliftif^es Sonterfei irgenb eines oftbeutfcßen ©enfd)en ging, baß er pielmeßr bas ©ymbol ber unbebingten ffaltung bes oftbeutfdjen ©enfcßen über»

ßaupt geftalten roollte. Pie Bebeutung, bie Äleift biefer Haltung beimißt, ßat er fa baburd) befonbers unterftrid)en, baß fogar Lutßer ße nid)t erfdjüttern fann.

©enn ©oetße biefe Haltung bie eines £jypo(ßonbers nennt, fo ift bas ein Beroeis bafür, baß bem ©eftbeutftßen bamals biefe rigorofe oftbeutfcße Haltung unser»

ßänblid) blieb. Jflad) unferer heutigen Stuffaßung ftellt ße ben beftimmenben

©efensgug bes Preußentums bar unb ift ber fompromißlofen ©trenge bes ©ol»

batenfonigs gleidjgufeßen, ber Gattes ^opf forberte, bamit bie „3uftig" nid)t aus ber © eit füme. ©enn illeift^s ^elb nun gleitß bem ©olbatenfonig bie ©erecßtig»

472

(7)

fett I)Dl)er als fein un6 feiner Stern leben ftellt, fo möchten tnlr aber auf öle £at=

fadje {»Inroelfen, öaß 61e Melftllfdje Haltung troi^öem nld)t lebensoernelnenö gu nennen Ift, fonöern flcf) nlelmefjr öeutllcf) uon öer nlfjUlftlfc^en JUagloflgfelt efroa öer rufflfdjen ©eele .abljebt, öenn es tnlrö ausörütfll^ oom ö l^ te r gefagt, öaB fld) öer Äurfürft öer i^lnöer Sol)ll>aafen8 annel)me und öag fein ©efd)le<f)t bis ln ö'le

©egenroart fortbeftanöen Ijabe. öaB ber ^uefürft öle ^Inöer gu wittern lfd)lägt, Ift roelter ein ungroelöeuflger Beleg öafür, öa'B lljr Dater nl(^t eljrlos geftorben Ift.

©d)on Im Dornamen bat ttlelft übrigens öle fgrnbollf^e Beöeutung öes efjrennctten Kämpfers rolöer öle fölEfür unö ©efeBlsflgfett |um 2lusörucf gebracht, öenn er b ft mit (jlelg tt'oblbuafens Dornamen ^ans ln JTll^ael abgeänöert.

Bis 'f)eute Ift feine fymboltratfülgere unö mürölgere ©eftaltung öes oftelblfdjen Bfenfdjentyps gefd)affen moröen, rooju öer Batlonallsmus unö öer Naturalismus öes 19- 3tl)tf)unöerts aud) nld)t faljlg fein fonnte. ©ertjart ffauptmann's natura«

llftlfdjes 5lbbllö oftöeufif4rn flTlenfcBentums ln öen „fDebern" Ift mit ittelft's

©eftaltung ebenfalls nld)t gu Dergleichen, gumal ölefe ©lenösgeldenung mit lljrem N(affenfampfd)arafter f^merlid) eine gangi)dM<f>t finnbllölldje Beöeutung für ri <h ln ilnifptud) nehmen fann unö außeröern nur öle negatloe roeld)e, für öen oft«

öeutfdjen iTtenifd)en allerölngs aud) elgentümlldje ©eite gum 5lusörucf fommen lägt. On melt übergeugenöetet iDelfe Ift ölefe gefühlsbetonte n)eld)e Haltung non

^ermann ©tegr ln öer Stsut öes ^elllgenhofbauern gu einet für oftöeutfches iUerilfchentum fymbolhaften ©eftalt oerölchtet rooröen, tDahrenö ijauptmann's ähnll^e CUbflcht ln „£lnö "Pippa tangt" roegen öer allgu geroollten unö unflaten N iy ftlf faum als gelungen angufpredjen Ift. Dle’Eelcht noch jinnuoller als bei ©tehr Ift j'eöod) ölefe ausfdjilleglld) Dom ©efügl beftlmmte Haltung, öle ja ln gerolffem Betracht ln öer roelbllchen ^Ingabefählgfelt Ihre hß ^fit Steigerung erführt, ln Melft’s Sruuengeftalten, befonöers ln &äthd>en unö ln 511fmene, tDort gemoröen.

IDle fehr Älelft ölefe ffaltuug felber eigentümlich mar, geigt fein 21usruf in einem bisher unbefannten B rief Dom 3t>hte 1801: „£>le armen lechgenöen ^ergen!

©chones unö ©roges mögten he tun, aber Hlemanö beöarf Ihrer, aEes gefd)leht fegt ohne Igr 3utun, öenn feltöem man öle ©rönung ierfunöen hat, Enö aEe groges.

©ugenöen unnötig gemoröen. iDohl öem Slrmlnlus, öag er einen grogen klugen«

blltf fanö! Denn mas bleibt ihm heutgutage übrig, als etroa -Leutnant gu roeröen in einem preuglfd)en Regiment." (Derglelcht: 3roel bisher unbefannte Briefe Melft's herausgegeben non Herbert tDünfd), Berlin 1934). Bag ln ölefem ©efügls«

überfdjroang auch öle Cfjaraftere öer Ipentheglea unö öes gu Anfang role Steift ifelber gegien öas ©eifeg rebeEierenöen "Prlngen non ^omburg grünöen, braudjen rolr uld)t gu roleöerholen. öbd) mochten mir öle ©atfache unterftreldjen, öag man öle ölefer ifchelnbar entgegengefegte rlgorofe Haltung als öen anöeren Ipol oft«

öeutfdjen Ńtenfdjentums, öle Sohlhaas unö öer Surfürft Derförpern, bei ^aupt=

mann’s Nöenfdten oergebens fuchen rolrö, roofür befonöets Storlan ©eyer als typlfdjes Belfplel angeführt roeröen fann. öenn geraöe roeil ölefe foröernöe ^al=

tung öes oftöeutifdjen Solonlalplonlers ^auptmann unbefannt Ift, mug er bet öer

©eftaltung einer Sührerpetfonlichfett mle Storlan ©eyer oerfagen unö öas gange örama guöiem ln ©enrefgenen gerflattern (affen.

öag Slelft auch öle oftöeutifche 51Etagsrolrftld)felt geftalten fann, geigt öer

„^erbrochene Srug", öe^en nleöeröeutifche Nmroelt rolr öoeh mlnöeftens als eine öer oftöeutfdjen ümroelt uerroanöte anfptedien fönnen. 5lber für Steift roar ölefes

473.

(8)

L u fifp ü l nur eine Stebenarbeit, wie fein 5(ußfpru^ geigt, öag nur ein feijr hitifd je r Beurteiler öiefea iu ftfp ie l für 6ie „Cinte feines lüefens" anifefjen öürfe, 6a es nad) 6er ©eife 6es Ceniers gearbeitet fei, toäfjrenö er fonft lieber öem göttlidjen Baffael nadiftrebe.

<Es fei öie 9©ifd)enbeinertung geftattet, 6aß nad) <Tf)riftopl) ©teöing 6iefe (ßenre=

fleinfunft für 6as reidjsfremöe un& gefdjidjtslofe faturierte ^oHanö 6ie angemeffene Sunft ift, roäljtenö 6er geifcf)id)tlid)e SDeg ©djleftens feinen B ietern bed) el)er 6ie Sunftroeife 6es gottiidjen Baffael als bie bes Ćeniers naljelegen bürfte. öie nsn

^auptmann geroa^lte naturaliftifdie Sttanier bürfte mit ber IDeife Baffaels osllenös

©enig gemein fjaben.

^ü r ^auptmann ift nun biefe ftteinfunft bes ©enres entfpredjenb ber natura=

liftifdjen ©fjeorie bas Hauptanliegen, unb er oermag fid) über bas ©eure aud) ba n i^ t gu ergeben, too es bas ©Ijema mie im „Florian ©eyer" unbebingt erforbert f)ätte. Houptmonn’s fpäterer ©lleftigismus geigt gleidjfaüs, ba| er anbers als i f lei ft fein oollgültiger Beprafentant oftbeutfd)er tOefen^eit genannt ©erben fann.

Steift ift bemgegenüber oon feinem einmal eingefdjlagenen föeg nid)t abge©id)en,

©ie ©enig aud) feine jfrit il)m entgegenfam unb ©ie roenig felbft ber ©ro^te ber

©pod)e feine 2lr t gu ©ürbigen roufjte. €ben ©eil Hnuptmnnn nur gu feljr feine eigene turbulente 3eit in feinem tDerf fpiegelt, fann er fein ed)ter ©eftalter oft=

beutfdjen Sflenfd)entum8 fein, itbgefeben baoon, baß il)m bie Härte bes Dftbeutfd)en Sttenfdjenfdjlags, bie man bod) aud) bem ©d)lefier gumal im Hinbli© auf bie ©r=

fjebung oon 1813 unb auf bie Sümpfe bes oberfdjleflfdjen ©rengfdjußes in ber füngften Dergangenljeit nidjt gang abifpred)en roirb, ooEig abgetjt, ift es eine ©at=

fadje, baß Hauptmann feine ©inbilbungsfraft fünftlid) anfutbeln unb baß er bei ber Slntife unb ©ßafefpeate, fabei ber 2(gtefenfultur2lmerifas auf Borg geben muß.

Steift ßat bas nid)t notig, er nennt ein fo reidjes ©emütsleben fein eigen, baß er gar nid)t ©eiß, ©ie er es bänbigen foE, unb baß feine ©pannroeite oon ber He^beit

■pentbefilras bis gur lie b lid ffe it SütbH^ns reidjt.

Steift bat felbft auf biefen überqueEenben Beidjtum feines inneren in einem treffenben fDort angejfpielt, fagte er bod) einmal, baß er fein Het3 in jid) trage ©ie ein norbfidies £anb ben Seim einer ©übfrud)t. öiefes tüort oerbeuttidjt uns,

©eldje iTtübe, ©eldjen inneren Sampf ißn bie Bänbigung feines ©efüßls gefoftet bat, ©ooon ja aud) "PentbeElea unb ber ipeing oon Hnntburg Zeugnis oblegen.

On bieifem IDort fdjeint mir bie polare tOefenbeit unb bie fo unflaffifd)e ©pannung ber beiben ©eiten bes oftbeutlfd)en STtenfdjmtums, bie bod) feine ©igenart aus=

m a^rn, ifdjlagenb djarafterifiert, ©ie fie aud) Sleift's ©eftalten in einer DoEfom=

menbeit oerforpern, bie bisber no<b oon feinem anbern öiditer erreidit ©orben ift.

On biefer polaren ©pannung f^e int mir fd)ließlid) im ©iefften bas ©ebeimnis bes Sleift’fdjen ©enius befdjloEen gu fein, ber anbers als bie fübbeutfdyen öid)ter obne febe antife Bilbungsbilfe aus roitber tt)urgel auf bem oftbeutfdjen Heufiebellanb erftanben iE.

474

(9)

Riga, ITIacft »on iDcfftn. © cm älic »on $cd)l)clm, ISIS.

(10)

Kiga/

(11)

Riga, üespccbM bee 3*ifobi(ii'd)c, Zubijty urn 1410. ßepf bet ITlaria

(12)

Higa/ Borocfpoctal in öct ßaufffrafk

(13)

Riels son £jo(ft

d i e M o n i a t f u n l ? 6 ^ 0 B a f f i f ^ e n H a u m e ® u n 6 ü ) c j c ^ I c f i | c ^ ^ f a c ^ p c r ^ n ^ ß ^ L ,,,)

tt)as ift ßolonialfunft?

„Öen größten €inflnß ü'bt auf eine Dölfergruppe öer Übergang nom £anb aufs Rteer. öaljer begeidjnet 5er ©egenfaß non (JeftlanboertDurjelung gu ^üften= uni5 Dnile[l)errfd)aft .öas ©roßte, tnao fid) innerhalb einer Dolfergruppe ereignen fann.”

öiefe gefd)id)tlicf)e ©rfenntnio ^rirbrid) Äaßels, bie feit langem 5er Betrad)tung beifpieieroeife 6er fpanifdjen ©efd)id)te gu Beginn 6er Reugeit gugrunbe gelegt roirb, fann and) 6er 6es beutfdjen Dolfes im 12. unb 13. 3al)rf)unbert bienlid) fein:

mir meinen bie „51uffegelung liolanös" (roie es feit 3af)rlf)un6erten ßeißt), bie non lübed1 aus burdjgefüßrte ©rünbung einer Kolonie an 6en ©eftaben 6er ©egenfüfte, im Bereid) 6er öünamünbung.

3n ben 3af)rißunberten cor bet ©ntbedung ^Imerifas roar bie (Dftfee — im be=

fdjränften Begirf öes mittelalterlidjen 5tben6Ianöes — fogufagen ein „fDeltmeer", bie baitifd)en Canbe nid)t roie fyeute auf bem lanbroeg über ©ftpreußen leid)t erreid^bar, fonbern eine überfeeifdje Pflangung mit 6en Beifonberßeiten einer Joldjen aud) auf bem ©ebiet 6er bilbenben ^unft. Biga, 1201 gegrünbet, ift nad) iü b e d bie groeitalfefte ©tabt an 6er ©ftfee; es folgen Boftod (1218), ©tralfunb (1230, gleid)geitig Beoal), ©ßorn (1233) unb Königsberg (1255). öer ©eeroeg uon iübecf unb ben attberen reid)sbeut!fd)en ©ftfeeftäbten blieb bis ins ©ifenbaßn=.

geitaCter beoorgugt unb ßat feine Bebeutung neben bem ianbroeg aud) in ber

©egenroart nidjt eingebüßt; ßeute ift Beoal ein roidjtiger ©tüßpunft unferer flotte.

2If)nlid)e Bilbungen in ber ©ef^idjte, beren Betradjtung uns ben B lid für baltenlänbifde Befonberßeiten if(ßärfen fann, roaren — in eingelnen 3ü9^1'1 i’1

*) © ( ß r i f t t u m s ß t n r o e i f e . 5ür tTeil I unb II biefes btuffaßes fei oenmefen auf:

R. o. fjo lft, Die beutf<ßc Kunft bes Baltenlanbes im £i(bte neuer jDrf(ßung. Bericßt über bas gefamte ©cßrifttum feit bem föeltfrieg (1919— 1939), erfdjeint im ©ommet 1943.

bits ttadjiräge fü r 1940— 42 nennen m ir:

R. o. f)., © o ll bie Bigaer Olltftabt roieber aufgebaut merben? Deutfdje 3«tung im £>ft=

lanb, Biga, 5. 8. 41.

fj. Beterfen, ©as beutfcße £anbesmufeum in Biga, ©. 3- im ©ftlanb, 12. 8. 41.

R. u. fj., £übe<f unb Biga, £übe<fer Öolfsbote, Ó./7. 9- 41.

© . Sarling,. ©et Bigaer ©om, Konftfüftorisf (Tibsfrift (fdjmebifd)) 1941.

21. ^u u lfe , Die Burgen in <Eftlanb unb £ettlanb, Dorpat 1942.

R. D. fj., O talienif^e Kunft in baltenbeutf^en ©ammlungen, öuellen gut baltifdjen

©efdjidde, ^ e ft 2, Bofen 1942.

R. o. I)., Beual, ein töegroeifer butd) bie © tabt unb ifjre Kunftftätten, Beual 1942.

V- 301)011160, R. ü. f j. unb anbete, 2luffäße in ber Beoaler 3eitung, 3. B. am 11. 1., 17. 1., 15. 2., 1. 3., 22. 3., 11. 4., 26. 4., S. 5., 10. 6. unb 21. 6. 1942.

R. 0. $ ., Das alte Beual, 100 Bilber m it erläuternbem ^e,vt, Beual 1942.

R. 0. £)., Rtufeum unb ©ammlungen in Kauen, B iga unb Beual, Bantßeon 1942, Reft 8/ 9.

475

(14)

meiern abroelcfjenö — Me griedjlfcljen Kolonien öes Altertums In © Ijtllen umö am

©diroargen HTteer, 6as 6eutf{f)e ©leben&ürgen, 6as oftelblfdje öeutf^Ianb in feiner tfrübgelt, 6as neneglanlfclje Äolcmalreld) Im DftIId)en illittelmeer unö öle fpanlfd)=

portuglefifdjen unö öle angelfa^jifdjen Pflanzungen In ^tmerlfa. öurd) Petradjtung unb öeutung 6er befonberen €ntftcf)ungs= unb Cntroldlungsbeblngungen öer bll=

benben fünfte In ©IrgentI unb 3ara> ^ermannftabt unb 3^eoaI, JTfetlfo unb Pofton roollen mir ncofudien, allgemeine ©efe^mdßlgfelten folonlaler Äunftübung z1*

erfennen, um auf blefem IPege bas Dorurtell zu befeltlgen, bag ^rembartlges,

£fngeroobnfes Im ©efamtbllbe ber baltenlänblfdjen Äunft unbeblngt auf unbeutfdje (Elnflüffe [fliegen taffe.

©Ine leid)! erflärlfrfje ©rfdjeinung In Äolonlalgebleten Ift bve zaglenmäglg geringe

^eroorbrlngung non Sunftroerfen, namentlld) non ©d)öpfungen ber Plalerel unb

© lulptur. ©s gab melft brlnglldjere Aufgaben; 2Ibmet)r nad) äugen, nld)t ^unft=

forberumg fjleg bas ©ebot ber ©tunbe. ^anb In ffanb b ^rm lt gegt ble auger=

orbentlldje ^od)fd)agung beroeglldjer Sunftroerfe aus ber alten ^elmat; fie finb nldjt nur unerfeglld), fcnbern aucg als ©rlnnerungsftöde ©egenftanb pletatocller Deregrung. 3n ben grledjifdjen ^Dlonlalftabten ©Izltlens ifammelte man ©rlglnal=

merfe ber grogen Zünftler bes iRutterlanbes, ble ©tabte ber oftllcgen 51brlafüfte beroagren n c ^ geute ^auptroerfe penezlanlif<ger SHalerel, ble oerfauflldjen ©erfe eines ©alnsborougg ober eines b^eynolbs roanbern feit langem na<g SImerlfa.

tOenben mir uns ben battlfcgen ©täbten zu, fo flnben mir gier bie grogte Der=

egrung für ble ittelfter ber „Königin ber ©ftfee", ©übe©s. Itnabläffig mürben Elitäre, ©Inzetffulpturen unb ©olbfdimlebearbelten non ben Sorpetfcgaffen ber baltlfd^en ©tabte In lü b e d befte’IIt, ^auptroerfe eines öernt Iflotfe, eines fermen Äobe unb eines penning pon 6er ^elbe beflnben fld) no^ geute in ben baltlfegen Xanben. ©eifplelgaft Ift por aHem ble ^anblungsroelfe eines btepater Bürgers bet­

te lt um 1ÓOO: er fegte In ben Beflg bes ©otentanzbllbes ber Xübeder STlarIen=

flrdje, bas an © rt unb ©tette gerabe burd) eine gefällige Hacgbllbung epfegt mürbe, unb ftiftete bas Bllb (pon 1463) feiner gelmatlld)en Pfarrflrd>e © t. Hlfotal In Bepat, roo es nod) geute gängt; ogne 3®elfeil märe bles ^auptmerf ber norb=

beutfcgen IfRalerel ber©pätgotIf untergegangen, roenn nldjt ber pietatpolle Bepaler Bürger fl cg ein ©rlnnerungsftücf aus ber Xübecfer JTlarlenflrcge gätte gcgern rooOen;

„altoäterlfcg" ober „mobern", bas mar Igm glelcg.

3m Dergleld) zum Blutterlanbe finb ble ©tilformen ber jungen ©lebtungen melft etmas zurüdgeblleben, perfpätet. 3m Heulanb bllbet gcg ferner oft feine eigene ©rabltlon, fonbern ©Inflüffe ber perfdjlebenen ©tämme bes ÜTutterlanbes treten unpermltteft nebenelnanber auf. fDir bebbadjten bles geifonbers beutlicg in Xatelnamerlfa, In ©legenbürgen unb roleberum In bem baltlfcgen ©eblet, beffen fünftterlfcges ©rbe ber ©efamtgelt ber beutfcgen ©tämme zu perbanfen Ift. ©s Ift In blefem ffufanimengang bezelcgnenb, bag ©ugr bei ber B'etracgtung ber 5or=

men bes mltteilalterllcgen Bacfftelnglebels aucg fcgon In ©ftpreugen ©Inflüffe aus perfcglebenen ©eilen öeutf^Ianbs feftftellen fonnte, roägrenb etma Xübecf unb feine Umgebung flg um 1400 bereits als ein gefdjloffenes i^unftgeblet mit einer ganz beftlmmten ©tllrld)tung erroelft.

©atfräftlge Begrünber pon Kolonien gaben zu allen gelten bas Bebürfnls gegäbt, gcg eine Ibealere neue ^elmftatt zu fcgaffen, als es bas trabltionsrelcge, burd) alte Becgte unb ©emogngelten mannlgfad) beengte SPutterianb mar. ©s rolrb perfu^t, alles gnnpotl elnzurl^ten unb perftänblg porger zu überlegen. Der allem ble 476

(15)

Kiga, ©pernf)au8

■ ^ 1

(16)

Kiga, Öomfccuggang

(17)

Kiga, Petcifird)c. Bcon?caó(cc Dom großen £eucf)fer 1596

(18)

Riga/ pefrifircfye. 1941 jctfföcter BcongclcudjtEC

(19)

V

(Srunkiffe óer ©tobte uni ber (tfjorofter ber Bouten, nomentlid) ber Befeftigun=

gen, toffen bos erfennen. Die 407 t). b. 3to . angelegte Heuftabt non ©elinunt auf ©igilien ift mit oftbeutifdjen ©tabtanlagen unb mit neto=yotf p nergleid)en, mas bie Begeilma|igfeit *ber ©efamtaniage angef)t. Der ©yp ber oierflugeligen

©rbensfefte, ber non ber Weidjfel 'bis gur iflartne in gteidjer Prägung nerbreitet mar, mä'fjrenb in KÜbeutlfdjIanb malerifd) oielgeftattige Bitterburgen bie ,Jlugufer fäumten, Tagt an mandje baulid)e (Erfdjeinungen bes t>enegiam|fd>en Solonialreidjs unb Bmerifas benfen.

łP it bem gefteigerten, fa unbänbigen Cebensgefüt)! ber Sfteufiebler Ijangt bie Dorliebe für bas Ślbergroge gufammen. On bem ©efüljl, bas iHutterfanb burd) bie töertfjofje ber eigenen ieiftungen nidjt fdjlagen gu fbnnen, mödjte man tnenig=

ftens in ber räumilidjen 5tusbei)nung unerrei^t lein. Der ^rustempel non Bfragas (itaL: ©irgenti) unb ber SlpoEotempel oon ©elinunt, beibe ben atfjenif^en Par=

tI)enon in il)ter ©runbflädje roeit hinter fid) laffenb, mürben nie noEenbet. Das gilt g. B. au^ für bie airifprünglidjen ©ntoürfe bes Doms unb ber petrifirdje in Biga foroie für bas barode ^ergogsfdjlog in iBitau, beffen ^auptfaffabe betrad)t=

li<b länger ift als bie bes Berliner ©djloffes. „©ie bauen, als füllten fie einig lieben, unb tafeln, als müßten fie morgen fterben", lautet bas ilr te il bes <£mpe=

boifles über bie Bürger non Olfragas; es trifft auf Heufiebler aller f)iftoriifd)en

€pod)en gu.

Der Cljarafter ber formen in ber Baufunft, oft aud) in ben ©djinefterfünften, neigt in folonialen ©ebieten in ber Begel gu merflidjer Dereinfadjung. Die ©runb=

beftanbteile eines Bamnetfs, ber fräftige Blocf bes Süßeren unb ber fxd) tneitenbe Onnenraum, fommcn babei ftärfer gur ©eltung als bei gleidjgeitigen ©djopifungen bes Äernlanbes. Darauf im roefentlidjen berußt ber ©egenfaß ber „fargen" Bacf=

fteingotif gu ben roeftlid) ber ©Ibe beheimateten gotifdjen © tilri^tungen. On anberen feiten, g. B. im Barod unb Maffigismus, roirft fid) eine gleidjgericßtete Deränberung Ifeßr niel ungünftiger für bas baulidje ©d)affen ber Äolontallänber aus. tüo in ©nglanb freifteßenbe ober Dreiniertelfäulen angetnanbt inerben, feßt ber amerifanifcße Srcßiteft bes 18. ^aßrßunberts nur faum angebeutete Blinb=

faulen nor bie IDanbflädje, mie Bauten in Bofton unb Cßarlefton ertneiifen; in iateinamerifa ift bie Äatßebrale non Puebla, im baltifdjen Baum bas narioaer Bafßaus ein gutes Beifpiel ßierfür.

©ine eigentümlidje Srt, bie groangsläufige ^ormenarmut gu oermeiben, befteßt barin, burd) unbegrünbete, fa miberfinnige Häufung ein= unb berfelben ©ingel=

form ben ©inbrud ber $ülle ßeroorgurufen. hierm it entfernt fid) bie ^unft bes Äoloniallanbes in bebenflicßer tDeilfe non ber im STlutterlanb erreid)ten ©ntroid=

lungsßoße unb es ift nid)t oon ber i)anb gu -toeifen, baß ber roßere ©efdjmad ber unentroidelten iltbeoolferungen Bübungen biefer S rt mit ßeroorgerufen ßat. Bei überreifen funftßanbtoerflicßen ©egenftänben, bie in ben g r ie fiffe n Kolonien am

©ftoargen Bie er gefunben inerben, roirb bas ebenfo angenommen toie bei einigen üppigen Barodfaffaben ©ateinamerifas, g. B. bem Slofter Scolman. „ IP u f erung"

ber ©eilformen ift a u f am IDeftportal ber ©ftoargen S i r f e in ^ronftabt (©ieben^

bürgen) feftgeftdllt roorben. ©s ift baßer ein beifonberer ©ßrentitel ber beutffen Äolonialfunft bes b a ltiff en Baums, baß fie gtoar als formenarm, als ein „P e rg if t=

ftil" geffolten inerben fann, aber baß fie feine Beifpiele unorganiffen ^ormen=

r e if turns aufroeift.

477

(20)

J>ec fcfylefficH&fyfiföe Jlnfetl an dec ßunft des dalti'fdjen Kaums.

öie Betrachtung der bildenden ^unft und das ©tudium der gefd)id)tlichen Dcr=

gange im baltijchen Baum fütjren gum gleichen (Ergebnis: neue Biut^ufuhr, im

■urfprüngiichen und im übertragenen ©inn, ift ftets nur nom deutschen BtutteroDlf ausgegangen; im £aufe der 3ahrbimberte, non der Landnahme bis ins 19. Ja\)t=

hundert, haben alle deutschen ©tamme fid) an diefer Aufgabe beteiligt, felbft die ijranfen und 2(Iemannen fehlen nicht. 2ln dieifer ©teile mird erftmals uerfucht, * den lf<hlefi|fd)4ad)pf^en Anteil an der Äunft des baltiif^en Baums in ©tichmorten 311 benennen.

Dm SBittelailter find nur einzelne, gufammenhanglofe Slusftrah'Iungen non ©chle=

fien in den baltifchen Baum bisher feftgeftellt morden. ö*er eftnifche Äunftmij|en=

fchaftler 21. ©uulfe hat 1942 in feinem deutifchfprachigen Bud) über die „Burgen in (Eftland und Lettland" die Dermutung ausgeifprodjeu, daß jmeifchiffige fchlefif^e Slofterfale (3. B. ©ifchnoroih, noch aus dem 13. 3abrb.) die öorbilder für gleich^

artige Bäume baltifcher Burgen und Mofter abgegeben hätten. Clafen Jdjreibt der Ä'reugigungsgruppe non etroa 1400 in der Beoaler flifo la ifird je „fchlefifche Älang=

färbung" gu (1939). (Jriedenthal meift uom 15.-17.3ahthündert unter denBeuafcr

©oldfchmieden drei namentlich befannte (Einmanderer aus 8rafau (15. 3ahrh.) und Breslau (©eorg, ©ohn des EOenjel ©oldfmit, 1538 Bleifter; 3ohann iudm ig

©eliger oder ©ehlger, 1689 Bürger) nach-

B lit diefem leßten fchlcfifdjen Busmandercr find mir bereits im 3ahthundert des 30=j'ähriger. Srieges und nähern uns damit dem 3eitailter, ln dem ein regelrechter

©trom uon Blenfdjen und Śunfteinfluffen aus dem ifä(hfifch4chler>I(hen Baum in die baltifchen lande gegangen ift. £)ier fann nur eine furje 2lufgähtung geboten merden:

3ahlreiche ©lorfengießer, 3. B. 3Dhann Btaurer aus ©leishammer, mandern in baftifche ©tädte aus. ©eorg ^eroldt aus #retberg i.© . erbaut um 1690 in narma die Borfe und das u. Sochenfche ^aus. Dn Biga ift in der furg uorher=

gehenden 3^'t ber ©tadtmaurermeifter ^ e in ri^ ^onnefen „aus ’polen" tätig, nach 1700 der Baumeifter ©ßriftoph Bleinert aus 2lnnaberg i. ©. und die ©tein=

hauer 3ch. ©ottfried ©greyer aus Bochliß und ©ottlob Budolf Äremfcr (©remfer) aus Dresden, in Becal ein Baumeifter ©hriftian ©orliß, mohl ein

©chlefier. Dn diefem 3u!fammenhang fei oermerft, daß 1731 das Bigaer deutfcße Blaureramt durch die JBaurergünfte in leipgig, Königsberg und öangig neu

„fonfirm iert" roird.

1748 fertigt der Ifotglfchnißer ©helftoph ^Ser aus füalgenburg i. ©. einen neuen 2litar für die Bigaer Domfirdje; Carl ©ottlob 2lppelbaum aus Bade=

bürg i. ©. liefert in jenen 3aheen Bltäre für Kirchen in und bei Biga. Dm 3abee 1932 hat B idnif die „Chronił des 3immerer=2lmtes gu Biga, 1732— 1932" oer=

offentlicht; aus ihr geht heroor, daß in der 3eit oon 1732— 1782 unter 29 BteU ftern 10 Cinroanderer aus dem fächßif(h=f(h^ßf(heu Baum geroefen find.

Kürglich (ft eine Bhnentafel des 1850 in Beoal geborenen, großen deutfdjen Kunfthiftorifers ©eorg öehio aufgefteüt morden; dabei erroies ftd)/ daß neben einer Blehrgahl non 2lfinen aus dem niederfächfifüjen ©ebiet dod) auh f^lefifche und fachfilfcfje Dorfaßren angutreffen ßrtd, g. B. der ^androerfsmeifter 3ufob

©djeffier, geb. um 1Ó20 in ©reiffenberg i. ©d)l., und der Baumeifter Chriftian 47S

(21)

7JIt=Rigoec Barotffilber óec Hunftc unb ßaufmannsgUfan. JlufftcUung im 1941 cingcti(i)ktcn Beutfd)cn ianbcsmufcum

(22)

RcdoI; um "JSSO

(23)

Renal,, ©cflensbucg

(24)

Keoal/ öer 1942 roieöer an Jdnem alten <Dct aufgecict)tete ^ocfjaltac öec QeirigengelftEic<f)e.

Der B Itat muröe oom öeutfd)en Kat öer 6ta M 1484 bei Bernt Hotte in £übcct bcftellt.

(25)

ijctßer, geb. 1Ó93 m ffletba i ó(e öef)i'os maren Attrd) mehrere ©enerati'onen tn 3^et>a[ ©olöfdimieöe, bis ©eorg De'bio bas ^anbiroerfsgerat, öas nod) Jein

©roßoater führte, gegen 6ie eintaujdjte.

(Es ift nid)t Derrounberlid), bag im 3ufammengang mit biejer ftarfen fieuein=

manberung son Baumeiftern, ^oI?Jd)nigern unb Jonftigen ^anbroerfern au^ mitteU b e u tle Bauibeen in ben Horboften gelangten; bie barotfen JRunbür^ßn non Satlefailn, ÖOalf unb Biga (© ettrubfir^e, um 1780) fallen an ber ©ftfeefüfte als frembes ©emac^s auf. Bas gteidje gilt für bie üangelaltate in ^atlefain, Äe<fau, Puffen unb ©lai. €s jeugt für bas 5lnfel)en ber fa^Jifdjen Baufunft in Bresbens

©lan^geit; bag ber junge Bigaer Baumeifter ^abetlanb fid) in ber ©Ibmetropole Jeine ilusbilbung gelt, roagrenb bas ^errengaus '©alisburg nad) einem ©ntrourf uon Ärublfacius erridjtet roirb. ©rft iü r3li<g gat ©runbmann uns in B la ttin $ rcinl5 b. 3. einen M nftlev votgefteüt, ber aus bem baltifcgen ©ebiet ins Cdltreid» prü d = geroanbert ift; Bauten bes in Beoal 1679 gebotenen Bleifters ftegen in tDatm=

brunn, ^irlfdjberg, lanbesgut, ©prottau, ©agan unb ©djonroalbau..

Bie Bebeutung ©aegfens unb ©djlefiens in ber smijegtn bem 30=j'ägrigen feieg unb ben Hapoleonsftiegen für ben gangen beutfdjen Horboiften, uon Ćgorn bis Barroa, mügte gelegentlid) im ^ufammengang untenfu^t roerben. ©emeinfame Berfecgtung bes proteftantifdjen ©laubens, Slberoolferung an €lbe unb ©ber, tDirtf(gaftsj|igiegungen, ber B u f non ilnioerfttäten unb fünftferif(gen 3entren, ber megr in 5lufnagme fommenbe Canbroeg ©gorn— Sonigsberg—Biga: all bies unb anbercs megr finb bie ©rünbe, bie einen Jrang ober £jabetlanb natg Blittelbeutf(g=

lanb fügten unb anbererfeits bie jaglreicgen oben genannten Zünftler unb ^anb=

roerfer in ben baltijdjen ©tobten als gern gefegene ©inroanberet .erj<gemen laffen.

Bad) 1800 änbert fieg bas S ilb; mir flogen nur noeg auf ©ingelfälle unb be=

Jcgranfen uns barauf, biefe für ©dgleften gu oergei^nen. Balb naeg 1800 roirb in einer Beoaler ©ammlung eine „©otenurne" ausgeftellt, bie 1771 am ©afelberg bei ©iegnig ausgegraben roorben roar, ^urg nor 1800 fiebett bie furlänMJdje Bergogsfamilie Biron (eigentlid): o. Bügren) na<g ©djlefien über; non ben geroor=

ragenben üunftfammlungen, bie mitgefügrt roerben, ift ingroifegen Jdjon oiel in alle iDinbe gerftreut. Bamgafte Befte beroagren bas ©djlog ©agan, ©raf Botenburg, fje rt ©(geuermann^Breslau (a. b. Begg einer pringeffin ^ogengollern^edjingen in Cbroenberg, ©oegter bes legten 1800 in ©agan ©erftorbenen ^ergogs non &ut=

lanb) unb bie pringen Biron, ©r.=Ü)artenberg (bafelbft g. B. ein „Bürer", ©griftus=

fopf mit Bornenfrone).

3um ©(ging nennen roir 3ogann EOilgelm Traufe aus ©djroeibnig, bet bas

©tabtbilb oon Borpat in ber ^rüggeit bes 19- 3agrgunberts bur<g feine Bauten neugeftaltet gat. fDie ©djinfel begerrfegte er nebeneinanber flaffigiftifdje unb neu=

gofifege formen; biefe gab er ber Bnioerfitatsbibliotgef, jene u. a. bem £jauptbau ber Bm'oerfitdt, bem aftronomiggen ©ebaube unb Jonftigen Dnftitutsbauten in Borpat. 3ei(gnungen non Traufe beroagrt bas Blujeum Borpat=Batsgof.

©cgidfale 6ec baltffcgen Bunffbenfmdler tm fegten BTenfcgenaffer (1914— 1942).

Ber IBeltfrieg 1914—18 gat im Derlauf ber ^ampfganblungen ben fünftlerifd) roertoollen Bauten im baltif(gen Baum ©ergaltnismägig roenig ©egaben gugefügt;

eingelne ^errengaufer unb ianbfirdjen foroie bas Blitauer J)ergogsf<giog brannten aus. Oon nadjgaltiger töirfung roaren bagegen bie Detfcgleppungsmagnagmen

479

(26)

6er 3a*enregierung; u. a. routöen öas Dorpater ^unftmufeum uaö gafjlreidje Äirdjenglod'eti ins Dnnere 6es ^iefenreit^es Derfcradjt un‘6 (inö feitöem t»erfd)oEen.

Üttt .6em für 6as öeutfdjtum in aller lüelt unglürflidjen 5luagang 6ee erften lüeltfriegs oeran6erte fid) 6ie -läge im baltilfdjen Äaum oon (Brunö auf. Dom 13. 3af)ti)un6ert bis 1918 maren allein 6ie baltifdien Deutf^en 6ie Bauherren un6 öie funftbeöürftige ^cs iCanöes geroefen; bie SieinoBlfer 6er letten (1918 nid)t gang 2 iTMionen) un6 (Eften (1918 nid)t gang 1 iTtiüion) maren bis gur iftitte 6es 19. 3ai)rl)un6erts fd)lid)te Bauern, 6ie iijre ©eijofte in ijolg errichteten;

6ie ruffifdjen €5taatsbehDr6en haben im 19- 3ahth“ i1bErt h ^ r un6 6a beianglofe Derroaltungobauten errichtet. JTtit 6em Jafyxz 1919 treten nun 6ie letten un6

€ften als neue „©taatsnoifer'’ auf 6en pian; 6ie baltifdjen Beutfdjen roerbcn eine

„iltinberheit" un6 muffen fid) öarauf befchränfen, 6ie roenigen ihnen nerbleibenben ftäötilfchen mittelalterlichen Äirdjen unö 0 i Ibenbau ten gu pflegen. €ntlfd)eiöen6 für bie roeitere ©eif^idite ber JTlehrgahl 6er Baubenfmäler roirb feöoch öie €inftellung '6er neuen <Staats'behor6en lettlanös unb €ft!an6s.

Begonnen rourbe mit einer Jttafjnabme, bie fleh für einen roertoollen üleil ber Bauten öes flauen lanöes nerhängnisnoll austmrfen mugte, m it ber €nteignung aller lanöbefitgenben Beutif^en (1919/20). öie baltiifchen fferrenhäufer, oiele ^un=

bert an ber 'jjaty, mürben nun gu ©d)ulen ober Dorratsfpeichern umgebaut, ja als

©teinbrüd)e henuht. 3n ihrem Derhaltnis gu öen mittelalterlichen Bauten aus ber f)anfe= ünb <Dröensgeit unterfdjieben fich 'bie letten unb (Eften uoneinanber. öa=

malige Rührer bes lettentums beurteilten bie ©röensburgen als „3eugen ber (Jrembherrfchaft" unb münfd)ten auch eine llmgeftaltung bes öeutfd>en Biga gu einer „nationallettifdjen" ©tabt; gahlreiche alte Bürgerhäufer mürben nieber=

geriffen, mitten in bie Bltftabt mürben ©rogbauten gefegt, g. B. bas iHinifterium an ber ©anbftraße. öas (Drbenslfdjlog erhielt einen lu r m in „aWettilfchem" © til.

Qlnfähe gu folgern Öerhalten geigten h<h au<*> i n €ftlanb; ifo rourbe öie als Buine baftehenbe eigentlidje Somturburg im Onneren ber Beoaler Burg red)t bebenfenlos 1921 gum Heubau eines „(Eftlänbifdjen Beichstagsgebaubes" uerroenbet. öod) bie nüchterne 5lrt bes eftnifchen Öolfes fe^te fich burd): man entbecEte in Beoal einen

^auptangiehungspunft für ben (Jremöennerfehr im ©ftfeegebiet unb begann, öie

©tabtmauern unb fpüter auch mittelaltetlid)e Baubenfmäler bes flachen lanbes mieberherguftellen.

©o lagen öie öinge, als im fferbft 1939 bie ^unbe com Kriegsausbruch bie beiben Kleinftaaten lettlanö unb €ftlanb e rte ilte unb fofort nach Bbfchluß bes

"Polenfelbgugs ber Rührer öie Dolfsöeutfdjen biefes ©ebietes gur llmfteölung ins Beich aufrief, öer Öerfaffer biefes Berichts rourbe bamals als Kenner ber balti=

f<hen Kunft nad) Biga unb Beual entifanbt, um über bie gleichgeitig in B ngriff genommene „ilmfieblung bes Kulturguts" ber Dolfsbeutifchen Derhanblungen gu führen, bie IV2 3ahte bauerten unö beim Busbruch öes Krieges mit ber ©orojet=

union nod) nicht beenbet maren. Hur in lettlanö famen bie Öethanblungen gu einem geroiffen Bbfd)luh mit öem (Ergebnis, bafj eine Überführung ganger föaggon=

laöungen oon Kunftgut ins Beich ftattfanb; barunter roaren roeifentlihe £eile ber Busftattung ber Bigaer Petrifirche, bie Kai!fer=©tto=©hale öer Blagbeburger

©iefsbütte aus bem 12. 3ahthunbert, ©emälöe oon ©raff, C. ö . (Jriebrih/ luöroig B ih te r unb ©pi^meg. tDer fid) gelegentlich oergegenroärtigte, mie h'^r im 20. 3abthuT(öert ber iflieberfhlag öer fünftlerifhen Betätigung ungähliger ©e=

fhtehter mit einem B lal gleihfam ausgelöfht rourbe, fonnte geroi^ manhmal bas 480

(27)

Ylacma. geicfynung tD. Bartt) um 1810

"..‘ ... '“'.T. —---

(28)

Dorpat, Jjau8 um 1800

(29)

pecnou, Osoenfrug doe öcc © taöt

(30)

Zibau. üom Bacoc£a(tat bei öteifaltig^Eitafirc^E

(31)

gange Unternehmen Jeljr Be6enfüd) finöen. ünö 6od) muß man nachtragOd) feft=

ftellen, '6aß öie getroffenen ittaßnahmen ri^ ttg roaren, öenn im ^od)fommer 1940 trat ein (Ereignis ein, öas nur tOenige uorausgeahnt hatten: i>ie ©omfetunion befeßte ben baltifdjen Äaum.

H ur ein fnappes 3ahr/ i^ itte 1940 bis ÜITitte 1941, finii Ate baltilfdjen £anóe Iforofetiifch oerroaltet moröen. Die 3\id)tung 6es itDeges, 6er eingefdjlagen toeröen folite, mucAe feAod) bereits Aeutlich 3m Äeuaier (S^roarghäupterhaus

gog 6er „Jlote 2frbeiterflub tEomp" ein, 6as ehemalige ’prouingialrnuifeum in Jteual rouröe gum „23oten ^euDiutionsmufeum" un6 Aie großen © taötfir^en fobten gu „5intireligiofen STtufeen" umgeroanAeit merAen.

On 6en ÜHonaten 3uli unA Sluguft 1941 rourAe, rote nod) in aller (Erinnerung, Aer nor6Ii<hr <Eeil Aes alten DeutfdjorAensftaates gum <5d)auplat} erbitterter Kämpfe groifdjen öeutfd)en unö ©orojettruppen. tDahrenA Aas no^ greifbare roertoollfte beroegiidje ^unftgut A^tgas gum ^rnede 6er Derfdjleppung an eingelnen

©teüen 6er 6taAt gefammelt rourAe, aber lfd)Iießlid) nidjt mehr roeggeführt roerAen fonnte, fiel ein Ceil 6er 511tftaAt, Aarunter öie P e trifir^ e , in ©d)11^ un^ 5lf(he- On IDeißenftein rouröe 6er Bergfrit 6er ©rAensburg, 6er nod) 6em 13. 3ahrhmiöert .entflammt, geifprengt; in Dorpat fielen Ate Brücfe oon 1783 unA gange ©traßen»

güge 6en i?riegshani61ungen gum ©p'fer. 'Slus Beual rourAe an uetfdjteAenen

©teilen gelagertes Äunftgut non ilmßeAlern, über Aeffen enögültiges © ^ i^ fa l Aie im JTlai 1941 unterbrochenen DerhanAlungen noch feine (EntfdjetAung gebrad)t hatten, uon Aen fltehenAen ©orofets nad) lentngraA überführt

Die Aeutfche iPilitarnerroaitung oeranlaßte fofort Aurd) ^adjleufe im felögrauen Bod Ale AringenAften ttotftanösmaßnahmen auf Aem ©ebiet 6er Denfmalpflege.

Darüber hinaus rourAe aud) auf Aem ©ebiet Aes JTlufeumsroefens Heues gefd)affen;

in TUga fonnte bereits roentge SX)od)en nad) (Einnahme Aer ©taöt ein Deutfdjes lanAesmufeum eröffnet roerAen, in Äeual etroas fpater u. a. Aie „©itberfammer"

im Tlathaus, Ate „Hüftfammer" in Aer ©tranApforte unA ein £an6esgelfd)id)tli^es SHufeum.

3um Hbfchtuß fei hier nod) ein furger Slberbltcf über Ate Aenfmalpfilegeriifdien Arbeiten gegeben, Aie in Aen nächften 3ahren in Eingriff genommen roerAen müffen.

On Biga hat teilroeife eine Heugeftaltung Aer 2(lt(taAt gu erfolgen; Aas mittelalter»

liehe Hkuerroerf Aer petnifirdje hat Aem $euer getroßt; Aer barode halBerne tEurmhelm ift gerftort, fanu aber erneuert roerAen. Das Bigaer ©rAensf^loß muß non Aen „Detfd)bnerungen" Aer 3 rit um .193®, Ja Aem lettifd)>en „Dreifterneturm", befreit roerAen. €tne noch unentf^ieAene (jrage iff Aie 5lrt unA EDeife Aes EDieAer»

aufbattes Aer 180 gerftorten fjaujer Aer AlltftaAt. On B eral foüen Aie gotifehm Pfeilerlfäle Aer großen ©itAe unA Aes Bat’haufes non fpateren ©inbauten befreit roerAen. Die Beualer BltftaAt, Aie nad) Aem U rteil Aes Sönigsberger ^tjlo rife ts ED. ©tere (1939) „ein befferes BilA einer mittelalterlidjen ^anfeftaAt bietet als felbft £übed", roirA als ©anges unter Denfmalsifdjuß geftellt roerAen. Der Bergfrit non EDeißenftein läßt ftd) unfd)roer roieAererrid)ten.

1561 uerließ ein Fähnlein ©rAensritter Aie Burg Beoal; Aas Beid) hatte — nach mef>r q!0 äVe j'ahrhunAertelanger ^errfchaft — nicht mehr Aie EHögtiddeit, Aie baltifdjen lanAe gu bewahren. 2tllerAings behielt Aer Aeutfdje Dolfsteil bis 1939 eine nur langfam abne'hmenAe Bladjt im ianAe. Hun flehen Aiefe ©ebiete roteAer unter Aem ©d)uße Aes Beidjes unA Aas © djidfal Aer Aeutfdjen SunftAenf»

mäler Aes £anAes ifl fü r uns fein ©egenflanA Aer ©orge mehr.

481

(32)

<D. »on pcfctfen

p n

btt

(Beenge

b tt

I M ś e n .

3egoc öon ©roecs (1823— 1879)/ ein ©tccifec im ©fttaum.

„S )alt feft! Du <5eutfd)es ÜDlf." Om 3al)te 1861 (djrieb 3egor uon ©ioers 6isi|e tDorte. (Er uerftanb fie im ©inne öer (Einijeit öer ©tamme, entfdjieöen j'enfeits óer fonfejjionellen ©egenfä^e. ©fterrdcf) roie Preußen galten ii)m in öieife Dolfiifdje

©angßeit einbegogen. € r erlebte |ie gugleid) als gestoßene politifdje €inl)eit 6er 2lbroei)r gegen Äußlanö, ©nglanb, (Jranfreid).

On biafer fjaltung ift ©djicffal 6er 3aßri)im0ette. On ii)r befun.6et fid) 6er ge=

fd)ärfte ©inn 6es ©rengilanböeutfdjen für üolff>afte ©onöerung, uolPßafte ©emein=

famfeit, ooifbaften Sampf. 5ln 6er ©renje groeier ©eiten ift ©iuers geboren, un6 6iefe ©atfadje prägte fein lebensgejeß. ©eine ©iege ftan6 im baltifdjen ©ftfee=

gebiet, in fenem ©eil 6es alten £iolan6, 6as in 6er ©pradjgone 6es, eftnifdjen £an6=

uolfes liegt, auf 6em uäterlid)en ©ut ^eimtljal, »on roeiten tüäE6ern umraufd)t.

■Jlus engfter Derbun6enf>eit mit öem i6eutfd)en SUutterbo6en 6ie geiftigen 5raft=

quellen f^opfend, mar -fein djarafterroEes 5lntli(g fämpferijd) gegen 6en ®ften gerietet, uon mober 6ie ©leid^madjerei öes panflaroismus, 6er Äuffifigierungs»

einfafg 6rol)en6 aufftanóen.

© it 2lle^an6er non f)umbol6t, ©idyenborff, Hfylanb, ©ieef, Darnbagen uon €nfe, Bettina ron 2lrnim, ©uftau ijregtag, 6em Byron= un6 ©ilton^ilbenfeiger 2l6olf Bottger perfonlid) befannt, in biefem Greife 6es geiftigen Deutfdjlanö rourgeln6, aus ibm ©d)roung un6 5lntrieb giebenö, fämpfte er als ©dyriftfteüer un6 P o litife r für fein Dolfstum, für ©pra<be, Braud), ©lauben, toie es bereits in 6en öerfen

„2luf Brü6er rooEen m ir 6en ©cbwur erneuern. . . " , bie '6er Dorpater ©tu6ent 6i^tete, ausgefprodien roirb, gegen 6ie ©ntbeutfdjungsbeftrebungen Petersburgs unö ©osfaus.

5lls © itglieb 6es ianötages ftritt er mit ^äbigfeit für Reformen. 1864 er»

f^ienen feine „£irlän6if^en iebensfragen". ©ine roeitere © ^ r if t rouröe 6urd) 6ie ruffif<be 32nfur unterbrüdt. ©o fdyleu'öerte er 1865 feinen einöringlid)en „5lppeE an 6ie europäif^e ©ffentlid)feit" in öie ©eit. £ln6 aud) ©djriften roie „^eröet in © g a " (1868) unö „^umbolöt, 6ie öeutf^e BilöungsqueEe in iio la n ö " (1869) öienten öer 2luseinan6epfeßung mit öen ru^iftben ©ntüolfungsoerifudjen. Die ruEif^e Preffe griff © irers nad) Deroffentlidjung uon „£)eröer in B iga" f^ a rf an.

Beid) ift 6as Perjonlid)teitsbil6 öiefes ©annes. Ün6 auf 6en erften Blicf mag 6er ©inörud entfteben, als fprenge 6ie Diel fa ll 6er Begabungs= unö ©atridjtungen öen Babmen ;öer © inbeitli^feit:

3unä<bft ift 6a 6er unbänöige Drang in öie ©eite. 1850 reifte ©iuers, nad)öem er öie Derroaltung öes ererbten ©utes einem feiner ©efdjroifter übertragen, nadi

©eftinöien unö ©ittelamerifa. ©r berührte ©aöeira, öie fleinen 2lntiüen, Portorifo, 3ameifa, ^onöuras, fdjaute öen nifaragua=©ee unö öie Buinen non

© e^ilo.

On ©uatemaia baufte er als farmer, fdjarf arbeitenö, roeite B itte unternebmenö, mit naturroiEenfdjaftlidjem ©ifer beoba^tenö unö fammelnö, trunfen bingegeben öer e^otif(ben ©djonbeit jener ©eit. 16 ©onate nerbradjte er in öer © ilönis.

482

(33)

(Ernte biefer 3eit ftnö Eüerfe, bie in ber Äeifeiiiteratur feiner Cage eine beftimmte

©tellung einnaijmen,1) unb bie tfyn als ©<f)ö[er Stlexanber non ^umbolbte unb i?arl Gitters ausroeifen. STlit beiben geroann er perfönlidje ^ü'Ijlung. Der geogra=

ptjifcĘje Bannfreis ber „Äeifebenftöürbigfeiten unb ^orfcfjungen" aus ©iuers $eber ift burd) bie Citel umfdjrieben: „Cuba, bie Perie ber 5(ntiüen" unb „SIber SRa=

beira unb bie Antillen nad) iBittelamerifa".

Der Räuber ber Cropen glül)t (farbenprad)tig auf in feiner „Houelie aus ^EntraU amcrifa", bie in ©u^foius „Unterhaltungen am fmuslidjen ^erb" erfdjien, unb in

■einer Jteiije uon ©ebidjten.

Die „EDälberriefen” unb ber (D^ean finb i'tjm gleidjertueife ©innbilber elemen=

tarer £ ra ft unb milber ©rß|e.

2lber au^ ibef<haulid) mag. er r»om B itte ausruijen:

©d>naE ben ©ürtel mit "piftolen itnb ben Dold) uon meinem Metbe.

lüeiblid) mag id) mid) erholen

^ie r an freier ^tugenroeibe.

Durd) bas Dunfel jener Darren

©djlüpft ein 5lguatufa2) munter, Dort uom 5lft, neugierig hattenb,

£.aufd)t bas Caquafin3) hotunter.

Äoroffopalmen, bie „buftigen Blütenflammen" ber ©rd)töeen unb nidjt gule^t bas ©eranf ber üanen tragen in bie inotiofreife ber ©ebidjte etroas oon bem Räuber ber Cropen. Die gange Sltmoifphäre baüt fid) in bem Bilb bes bicfid)t=

bunflen Biefenroalbes mit feiner Farbenpracht unb bem glimmernben "Phosphot»

lidjt. Die Cierroelt tut bas ihre gur Bbrunbung ber ©efamitftimmung: Das leben ber Dogel, barunter bas roingige Dafein bes Kolibri, bes „ffeinen 3o<hots", bi*

prunfenben Falter, Baubtiere. Cropenregen unb Dürre ber ©auannen umfchreiben bie Sontraftpole ber Statur, unb bie Brbeit bes pflangers feigt ben 5lfgent bes menfchfichen Cageroerfs in bie ©eite 'ber unberührten ianbifdjaft. 51E bas fangt

©ioers in ben oielen fpielenben lid jte rn feiner Derife ein. ©<hon bie geitgenoffifd)e S ritif erfannte ihnen größere ©irflidjfeitsnäho ?u als ber ibeafen Fotne in Fteili=

gratljs exotiifchen Btotiuen.

ifnb nah fühlt fid) ber ftorbmenfd) biefer roeiträumigen Statur, nah ben Cieren, auch bem Baubtier, mit einer 3fltifd)ung non famerabfd)aftli(her Dertrautheit unb wehrhaftem Bbftanb, oerbunben unb bürd)leud)tet burd) ein Bliiglidjt bes Rumors:

Der Puma fteigt aEabenblid) honlenb bie Berge hinab; bem Slten!fd)en ein famerab»

fd)aftlid)=»ertraut geroorbener 3utu f in ber (Einobe ber © ilbnis:

1) ßecgl. <B. ©pei)r, Beiträge gu einer iTtonegraphie bes Saltifdten © hriftfteU ers 3 o90t

»on ©iners, Königsberg 1933 (Königsberger D iffertation), © . 14 f. unb 26 f.

2) Dnbianifche Begei^nung fü r 5iguti.

3) Onbianifche Begcichnung fü r eine 2trt Beutelratte.

483

(34)

fjeule öetnen töalögefang SnitleióooII 3U mir gröber!

öenn id) laufdje foldjem Mang

©erne — aber nur tfyalüber.

Darum boff^ feinen Danf!

fja lt bi<b fern — beim unoerijoblen, töobigelaöen auf öer Banf

Bufjen 8ü<f)fen unö ^piftolen.

1 5ln bem d^ean begeiftert ifjn bie entfeffelte £eibenif<f)aft bes ©rfans. ©o fcf)il- bert er einen Dejembernorbfturm an öer ©ftfüfte non 3ufntan, bas „Sonigreid) ber tDogen", unb bie glüf)enben Pbespfjarftreifen bes gleidjroie im „^euerfleib"

einbergiefjenben S)au

©D fd)eint Horbrnenifcb feine fjeimat uergeffen ju haben unb 6er Pracht 6er [üblichen £)albfugel überantwortet.

3eboch f«hon beim genaueren £efen feiner Beifebefdjreibungen fä llt es auf, wie oft er in feinen Dergleichen öem ©üöbilb ein Hotbbilb gegenüberfteüt unb óaburch bie ©adjlage in Mntraftroirfung erhellt. Dleifer 3ug iff fo ausgefprodjen, ba^ er gerabep ein unterlfcheibenbes UTlerfmal gegenüber ben Darftellungen anberer töerfe ber Beifeliteratur barftellt.

3n gleid)em iftaße gilt bas für bie Derfe. Ptitten in ber üppigen ©chonbeit bes

©ropenroatbes taudjt bas Bilb bes heimatlidjen IDinters auf mit bem bidjten ^all ber ©chneeflocfen, unb neben ben Palmen erbeben fid) bannen unb Rohren. Der iftonb erinnert ben Did)ter an Mnbbeit unb ^eimat. ©djnee, töo'lfe, ©d)litten=

fabrt, 3a9b im norbifd)en IDalb, ©onnenuntergang über nebelroielfe unb ^hrfj/

Regenbogen, töeiber, ©d)ilf, Birfen, Dünen unb ©tranb nerfelbftänbigen ftd) gu oon ber ©ropenroelt geloften iHotioen ber ^eimat. ünb in feinen Derfen „51n ber

©ftfee" mifdjen ifich roieberum©ebid)te bes ©übens mit benen bes Horbens. H fit fragen beginnt bas ©ebicht:

3ft bies mein Hteer, mein fturmberoegtes itteer?

HTein grünes JiTleer mit fd)aumgefr6nten CDogen?

3m Donnertafte fam bve ijlu t baber Don ^o rijo n t ju ^origont gejogen.

„Palmen unb Birfen" beifd eine ©ammlung feiner Derfe, „Rus beiben OMten"

eine jroeite. „Palmen unb Birfen" erfchienen 1852, erlebten im näd)ften 3abe eine Heuauflage, würben oon ber ^eitgenbffifchen S ritif lobenb aufgenommen. ©eine

©ebid)te würben in bas üngarifdje, (Jrangöfifdje unb ©nglifdje überfeht.

©ioers hatte einen ausgefprodjenen ©inn für bas Dolfbafte. 3n Berbers ©inn wanbte er ftd) bem eftnifdjen Dolfslieb gu urfb rüftete ihm burd) Slberfeigungen ben D)eg in ben tDeften bis nad) ^tanfreid). Rud) eftnifdje Hlär^enmotioe arbeitete er aus. ©ein Derhältnis gum eftnifchen Bauernnolf feiner ^eimat bebeutet eine (Jortfetgung ber ©rgiehung unb bes täglichen Dorbilbes. ©ein Dater, Peter Rein=

b'olb oon ©ioers, bemühte fid) um ffebung unb Befferung ber Derhältniffe inner=

halb bes Bauerntums, ©ewiffenhaft }ud)t er beffen Dafein mitlebenb fid) gu oer=

gegenwärtigen. €s wirb berichtet, wie er, in ber Rrbeit feinen Bauern ein ©e=

(35)

fäfyrte, mit ifynen ite iHüt)£n teilte, bis 6ie ^benögiode 6en Jeierabenö einläutete.

3egot con <Sioets vertiefte fid) ferner in ungarifdje roie fubanilfdje Dolfslieäer ttnö bic^tete u. a. eine „cubnnif^e ©age” . Had) ber fd)iid)ten tüeife beutfdjer Doifs=

melobien fd)uf er üerfe im Dolfsliebton unb nerfu^te im rDmantiJdjen © til öen lü u rf einer „Hi)ein|age in |ed)s Hcmangen": „Honnenroerti) unb Holanbsed".

öer geograpbi[d)en ©pannrceite feiner großräumigen ©djau entfprad) ber geiftige fjorigont biefes aftiuen iHenfd)en.

üud) Ijier fdjeint gunäd)ft bie €inl)eitsrid)tung in fd)äumenber Üielfeitigfeit untergugeben.

Don feiner Heife nad) tüeftinbien unb ^entralamerifa gurüdgefebrt, tuarf er fid) mit Feuereifer ins ©efdjirr feiner lanbroirtfdjaftlidjen ipflid)ten. € r füi)lte tief bie Bindung an die fyeimatUtfye ©rbe. 5fuf feinen ©ütern ■pianfjof unb Haubentysf führte er bebeutenbe SReliorationen burd), arbeitete an ber Ufrodenlegung großer Hborftrecfen, mad)te ted)nifd)e Crfinbungen gur Hebung ber lanbroirtfdjaft. 1873 folgte er einem H uf an bas Higaer Polytedjnifum, tuo er feine lanbmirt!fd)afflid)en

€rfaf)rungen miffenifd)aftlid) nußbar mad)en fonnte.

©ioers geßorte dem tandtage an, entfaltete hier eine leibenfd)aftlid)e poIitifd)e

€nergie. €s tuurbe fdjon ermähnt, roie er barüber hinaus ifid) in ben Sampf für lf-ein Dolfstum, gegen bie ruffifdjen Angriffe ftettte. ©eit 1863 t)eroffentlid)te er feine Derfe mehr, ©eine Śraft galt bem potitifeßen 5lbmehrfampf, Beruf unb HMffenfd)aft.

IDieroohl er alles gang und m it ftarfer Anteilnahme ergriff, mas ihn befd)äftigte, unb fomit bas €rroähnte bereits feine Kräfte aufgugehren brohte, eroberte er fid) bennod) ffeit für literarroiffenfdjaftlidje Jorifdjung. € r lfdjeute fein <Dpfer, ftoberte in Ardjiuen, madjte Heiifen, trad)tete bem (Ermerb entlegener Literatur nad). Di*

Cfvemen umfreiften bie ^eimat. Diel Arbeit galt bem ©of)n ber ©ftlanberbe 3acob Hfidjael Heinfjolb £eng, bem ©turm= unb örangbid)ter, bem 3ugenbgefährten

©oethes. Die £eng=Jorfd)ung hat ©ioers' Bemühungen anerfannt unb ent|fpre=

djenb geroürbigt. Die © d)tift „gerber in Higa" unterfudjt bie Begie'hung bes großen Anregers gu bem Dorfelb beutf^er Oftftellung und ift, ein tDerf fulturellen unb politiifdjen ©infaßes, gugleid) als ©rgebnis ard)ioalifd)er ©tubien gu roerten.

A uf ber ©renge gtoifdjen roiffenf^aftlidjer ©ammeiarbeit unb fü r breitere IDirfung gerüfteter ©nergie beroegt fid) bas tDerf „Deutfd)e Didjter in Hußlanb", bas 1855 erfdjien. ©s roar eine ©at, ein oollig erftmaliger Derifud). ©s gab nod) feine

£iteraturgef^i<hte ber Deutfä)en im ©ftlanb unb im ruffiifdjen Haum. B is auf den heutigen ©ag ftellt biefe ©ammlung einen fdjäßenstoerten tHaterialfpeidjet bar, für feben, ber fid) ernfter mit biefen fragen befdjäftigt. Der fjauptteil ift ausgefüllt bureß furge biograph'fdio Bortrats ober Hotigen unb ausgetoählfe ©ebießte. Die einleitenbe Darftellung bemüht fid) um eine umfaffenbe Hberffcht großgügig abge=

ftedter ^origonte. Don biefern tDollen h^t ift bie Bebeutung bes füfmen Unter»

nehmens erft ooE gu erfdjließen, n i^ t oon bem h^t/ mas erreidjt tourbe, oon bem geroagten tDurf im gangen, nidjt oon bem ©ingelergebnis heo- ©d)on ©id)enborff f<hrieb über biefe teiftung an ©ioers: „Das ©ange mar ein glüdlidjer ©ebanfe unb ift überaus glüeflid) burdjgeführt; in feinem roeiten Hmfteife oon feiten unb

■perfonlidjfeiten ein gefftreidjer Hberblid unferer gefamten poetifdjen Literatur.

Die eingelnen Did)ter gehen in plaftifdjer ©ebenbigfeit oorüber, oon ben ©djlag»

lid)tern taufenber Urteile fla r unb fdjarf beleuchtet, - furg: es ift ein tüd)tiges Buch."

483

Obraz

Updating...

Cytaty

Updating...

Powiązane tematy :