Schaffen und Schauen, 1933/1934, Jg. 10, Nr. 4/5

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(1)

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ö u e n aiw n

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D . 2 D a l t c r K u ^ n .

© i c d e u t f c f j e ^ B c f i c d t u n g

D b e r f d d e j i e n s .

fo. la^sgong. Hummcc 4 /f.

(2)

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% fömtftfytt Pwiturbunh fü r |JoIm fdj~JicljIr|t£tt t. 3. |

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I f ü r ^ a t e n f p x c f - xxn6 S i c h i b i l ó i r e l e n ^

|r ber bas gefamte, tu ber ©e{cE)äftsffette bes beutf^eu S?ulturbunbes oorliegenbe

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Soeben erfd>ien bet 80 Srudieifen ftarfe | ł

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'/i urt UUö y^juimc, m u ti VŁ/ę|u;u)i.£>|ięiu- ł/cuhu/cu ^vuuuluuiiuc» wm^-ycuvc X r i OYV 4. ^ ^ V •.. Y» ^ ^ i ^ Sv (7! v* >w Sv V* Yv ł ,v 4- /v 4- ct1^* ^ d A C\ 87Ś Y- .v Tv ^ v T vw a i • w Sv /■* a at/w» W

^ SRaterial in be}pted)enber gorm barbietet. ®ie 640 Stebfüme unb gegen J}' 100 ©tasbitbteiben, gu betten größtenteiis ausfübrtibbe Siebte »orfjanben finb,

bieten alten beutidien Vereinen bie ÜRögticbfeit einet Xterlcbenbigung ibtet '1

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S> Arbeit, bie nad; Sachgebieten georbneten gaienfpiele unb bas Sftaterial aum A

% Sorlefen unb 31t 23orträgen regen 3ur 25erfiefung ber fulturetlen Betätigung

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©er Katalog fann jum greife non 1,— §ł. non ber ©efcbäftsftelle bes fi’

ej ©cutjd)en Slulturbunbcs, Slattotoit;, ul. SÖtarjada 17, bezogen werben. ^

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I IDcrüonö ^eutfdfrc HJolfśfmrfiecden m pokn t $. |

® ir bitten alte Büchereien bringenb um Sinfenbung bes SKitgliebsbei=

^ träges Pon 12,— 3 ł - ©ie »«ten Saumfeligen bemwen unfete Strbeit. 2Ber ^ j)- jcbnelt feiner faßungsmäßigen X’fi'd ’t nad)fommt unb ben Beitrag einpblt, "k

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ji bient ber beutfcben Bücbereiarbeit.

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(3)

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m ittd lu n a sb iü tf fü r & in ft und B il^u n g s-

^ p f l e g g m d g r ! I ) o j g m ö d r j d ) f l f t ^ 9 d ] l e | i r n . . ^ = ^

as fiaupterfor&enüs einer 6ieblungsgef(f)ii^ie Oftoberfd^Iefiens iff, bafe fie J H fi(^ n i^ t auf ben heutigen polifi)cf)en ‘Kaum bes (Gebietes befebränfe. Sie

©renje oon 1921 bat mit SBüHür ein einbeitlicbes ^Birtfcbaffsgebiet jer- fd)nitten, fie gebt aber ebenfo roilffürlicb burd) ältere einbeitliibe ©ieblungs=

fläcben binbureb: burd) bas attberoobnte ©ebiet an ber Ober bei fftatibor, burd) bie

©ruppe ber mittelalterlichen beutfeben Sbrfer um ©teiiuib unb burd) bas fpät er=

fcbloffene 3Balblanb Pon S u b lin ii 6 0 nerfebieben biefe ©ruppen unfereinanber finb, }o febr ftimmen ibre Seile auf beiben ©eiten ber heutigen ©renje miteinanber

Ser SBeg ber mittelalterlichen beutfd)en ©ieblung ging Pon SBeften nad) Often.

Oftoberfcblefien ift hier rote auf anberen ©ebieten ber Kultur Jpät baran. 2Bas aber in ihm in ben lebten 3abrjebnten bes 13. Oabrbunberts gefebab, bas bat feine SBurjeln in bem an bas gefcbloffene beutfd)e ©prad)gebict angrenjenben SB e ft - 0 b e r f cb f e f t e n. 3u einem SSerftänbnis ber Śntroidlung fann man nur gelan­

gen, roenn man — bei allem gebotenen ftärferen ©ingeben auf ben beute 31t '’Po­

len gebörenben Seil — beibe Hälften gemeinfam betrachtet.

3m polnifd)en ©taate rourbe mit Oftoberfcblefien ein Seil bes früher öfterreiebi- fd>en Oftfd)lefien, bes alten |) e r 3 o g t u m s S e f cb e n, Pereinigf, bas feit 180 3abren, feit 1742, oon ^reulifcb-Scblefien getrennt roar. Sie ©cbeibung iff im

‘öeroufetfein ber yjlenfdren auf beiben ©eiten aufeerorbentlicb febarf, bas ©efüb!

ber Sufammengebörigfeit roar oor bem Kriege gefd)rounben unb ift feit 1921 er|f roenig roieber belebt roorben. ilmfo mehr bat bie ©efebiddsroiffenfebaft bie JPflicbf, immer roieber auf bie 3ugenb biefer Srennung b>n3uroeifen unb bie alte ©emein=

famfeit ins Seroufstfein 3urüd3urufen. keinesfalls follte bie oberfcblefifcb=oftfd)le=

fiftbe ©ren3e in eine Seif 3urüdproji3iert roerben, in ber fie nicht, ober erft als unbebeutenbe Serritorialfd)eibe, beftanb. 33isber ift bas ffefs gefebeben, bie gor- fd>ung ift im 91orben unb ©üben faft unabhängig oorgegangen Sabei ift bie gu- fammenfügung ber ©reigniffe leiibt, benn bas ©efebeben b'er mie ^ori lt,ar bis 1740, unb namentlich in ber kolonifationsseit, roirflicb basfelbe. 2lud) nad) ber ftaatlid)en Srennung ging bie ©nfroidlung in Pielen Singen parallel roeiter.

to. |al|cgang. Me. 4^5 ©ejem&cc/fonuor 1935/54

1) ©runbfäfilid)es.

a) S t e2l b g r e n3u n g bes © e b i e t e s .

überein.

.. 1 ...

(4)

5>er ©ettnnn aus 6er ©inbejietjung bes Xeldjner • @d)lefien ift. für bie obetfcble- fifd)e gorfcbung grofe, aumat für bie ©ieblungsgefcbicbte. 3Baf)renb in Oberfi^k*

fien _bas mifielaiterlicbe ©pradbinfelbeutfcbtum bis auf bie beibcn ifoiierten ®brfer

©(bönroatb unb ^oftental poionifiert rourbe, bat fiib in Oftfdblefien eine 3elfe bapon faft unoerfebrt erhalten, ein PoIIftanbiges 3Beid)bi(bfpffem, bie ©tabt ^ ie ti^ mit ben ju ihr gebörenben unb fie fcfmbenben Dörfern. f)ier toirb erfid)tltd), roie es beute in Oberfcbfefien ebne bie nationalen 35erlufte bes 15. unb 16. öabrbunberts um ©leitoi^, um ©obrau unb ^Plefs, um 51ofenberg ufto. ausfeben toutbe.

. 5)ann befommt bas ©ieblungsgefcbeben im Tefcbner 2anb erft feinen richtigen 2!bfd>Iuj3 nach ©üben au. ®ie ©renae a^ifchen Ober= unb Oftfchlefien fchneibet burcb ein aufammenböngenbes SBaibhufenborfgebiet. ®ie 33esfiben im ©üben bes ITefcbner Sanbes aber ©aren im SJtittelaifer eine SSöfferfcbeibe, ein menfdjcnleercs

©ebiet, an bem fid) bie SiBelien ber beutfcben Holonifation brachen. S rfi in her Sieformationsąeit mürben fie in oßffig anberer 21rt oon Öften her burch bie malfa=

cbif<be ©cbafbirtenroanberung erfcbtoffen, bie einen neuen §ug in bas Śefieblungs*

bilb ©cblefiens braibte, aber in bielem ihre ^arafleie in ber 23efiebfung ber ®a[b=

lanbereien oon ^Plefe unb ^ubiinitj finbet.

3Beit früher als Oefcfmer ©djfefien mürben bie Seraoatümer 2t u f d) m t tt, 3 a t o r unb © e o e r t e n oon Oberfchtefien abgetrennt, fie fielen fcfmn im 15.

i3ahrhuubert_ an ^Pden aurüd. ?n ber reiósbeutfchen Siteratur fehrt öfters bie SKetnung mieber. ber 2lbfa[f fei gemiffermafeen natürlich, ba in biefen äufjerften

?Sorpoffen_ ©cfilefiens bie beutfche '23efieblung nur fdjmach gemefen fei. ®as trifft für ©eoerten au. 2tufd)mit) unb 3ator aber hatten um 1400 ein minbeftens ebenfo ffarfes Oeutfchtum mie eines ber anberen alten obcrfcbtefifcben |)eraoatümer rechts ber Ober. §eute nod) gibt es in biefem jefat au ©atiaien gehörigen Sanb. in ber Ofthälfte ber 23ielit?er ©prachinfei. mehr aftes Oeutfchtum ais in gana Oftober=

fchfefien. 3n ber 3 L't ber mittelalterlichen Slolonifation beftanb bie ©renae gegen 21uf(bmit5 nicht, fie geht mitten burch bie 23ielitaer ©prachinfei, aroet ihrer Oörfer, Safeborf unb Slilelsborf, ber 2änge nach auffpattenb.

2Bdhrenb Oberfchlefien im Saufe ber Snfmidfung im Often ©ehiete eingebüfif hat, hut es fid) im 2Beften' ausgebehnt. Oas t p e r a o g t u m O r o p p a u bil=

bete urfprünglich einen 33effgnbfetf oon SRdhren. £ rft au 23eginn bes 14. ?Iahr=

hunberts gemann es in beffen Nahmen ©elhffänbigfeit unb glitt noch unb nach 3U

©d)lelien hinüber. 1742 mürbe bann freilich fein Sauptteil mieber abgetrennt unb bei Oefterreiih belaffen. Oas S R e u f t ä b t e r S ä n b c b e n rourbe 1337 burch lla u f oon SiRähren ermorben. Oas B r e s l a u e r B i s t u m s l a n b Ottmachau- Sfeipe-Srottfau (mit 2lusnahme bes 1742 bei Oefterreiih oerbliebenen ©tüdes um

^reiroafbau) unb bas früher aum Sürftentum Brieg gehörige ^ ! r e u a b u r g = B i t f <h e n e r ©ebiet, früher Beffgnbfeile Slieberfdilefiens, mürben erft bei ber SReuorbnung Breuhens nach ben ??reiheitsfrieaen aum 5Regierungsbeairf Oopeln.

gefchlagen. 21(le biefe Sanber^ in ber SÜoIonifationsaeit oon Oberfchlefien gefchie-- ben, meifen eine anbersortige ©truftur bes Oeutfchtums auf, umfaffen fie boch (mit 2Iusnahme oon Jüreuaburg) bie öftlichften ©rupoen bes g e f d) I o f f e n e n beut“

feben ©prachgebietes, mährenb bas alte Oberfchlefien ein attsgefprochener beuffcher

©prąd) i n f e 1 gau mar. 3n biefem ©inne roirb man fie am beften getrennt beban=

beln, mie es im allgemeinen gefchieht. Onfofern fie aber Borausfehungen ber beutr fchen Äolonifation oon Oberfchlefien enthalten, ift auch auf fie SRüdficht au nehmen.

b) O ie o i e r © t u f e n b e r B e r b e u t f c h u n g .

„Oie ©efchichte ©ddefiens ift bie ©efebtebfe feiner ©ermanifierung." Otefes 2Bort © r ü n h a g e n s gilt in oollem SRaße auch für Oberfchlefien. 3n ber 2Irt ber ©inbeutfehung aber befteht aroifeben ihm (in bem eben befprochenen alten Um­

fange) unb 3üeberf<hlefien ein ftarfer Unterfchieb.

(5)

SOTan farm in Dottltdjen ©renągebieten nier ©tufen ber Deutfdjfjeit unb ber 3?€r=

beutfdbung unterf^eiben, beren jebe bie fotgenben in ftcf» einfcbliejjt: bie urfprüng»

Itcbc folDnifatori^e (abftammungsmäfeige), bie fprad)Iicbe (öolflicbe), bie gefin- nungsmäfeige (nationale)*) unb bie MfureKe.

2>ie Sinbeutfdjung fann erfolgen buri$ ^ a n b n a b i n e a u f bis babin.unge»

nii^tem CSebiete. ®as ift ber bef)errfd)enbe ©runbsug ber ©inbeutfdmng 3lieber=

fcblefiens unb ber norbfidjen ©ubetenlänber. öier ftanb ber ungebeure ©ebirgs=

roalb ber Äofonifation ju r Verfügung. ®ie anfanglid) entftanbenen ©pracbinfeln formten fcf)on im 13. 3abrbunbert ju einem gefd)Ioffenen ©au aufammentoacbfęn, ber fid) jtoar toeit unb fd)mal nad) Often jroifdjen Ofd>ed)en unb 'Polen binein- fdrob, aber benno<b einen gefilterten Oeil bes gefdjloffenen beutfcben ©prad)gebie=

tes bilbete. Hn Oberfcblefien bagegen, unb ebenfo in Oftmdbren, ©alijien unb Oberungarn, erftredte fi<t bie beutfcbe tianbnabme auf fleiuere ©ebiete, bier ent- ftanben im SOlittelalter nur, roenn amt oft recbt große, ©pracbinfeln, 2lußenpoften bes fd)lefifd)en ©tammes, in ber Steujeit nur mebr fleine beutfcbe ©plitter.

'Die jtoeite ©tufe ber ©inbeutfcbung umfaßt ben © p r a c b e n t o e c b f e l oon tütenfiben urfprünglid) polnifcben s^olfstumes in ber SHaibbarfcbaft unb unter bem Sinfluß ber Äolonifation. ©r bat in Jlieberfcbleften großen Umfang getoonnen.

begann fcbon im SKittelalter unb toirft in ber ©egenroart nod) fort, ©urd) iba mürben bie urfprünglid) losgelöften ©prad)infeln ber ©bene mit bem ‘Oefieblungs- rüdgrat bes ©ubetengebirges oerbunben unb UtieberfdUeßen ju einem fpracblid) im n>efentlid)en einbeitlicben Sanbe, beffen ‘Sewolmer fiib freilid) nacb 9taffe unb 3Be=

fensart ftarf oon ben „©cblefiern" ber Äolonifationsjeit unterfcbeiben.

Die ©pracbinfeln in Oberfd)tefien unb ben ©ddefien oorgelagerten Sänbern ba=

ben eine foldbe roerbenbe Straft auf ibre Umgebung niibt ausjuüben oermoibt. ©ie finb im ©egenteil jum größten ©eile ber fprad>lid>en Sluffaugung burd) bas @la=

oentum erlegen. 3Bo in ber Sleujeit fprad)lid)e ©inbeutfibung oon ^oten unb URäb- rern erfolgte, im galfenberger unb im 2eobfd)üßer ©ebiete, ba toar fie fein eigent=

lieb oberßblefifcber, burd) bie eigenen Kräfte bes oberfddefifiben Deutfcbtums be- bingter Vorgang, fonbern bas §ereintoirfen ber ©nfroidlung oon 3Rieberfd)(efien ber.

Die britte ©tufe ber 35erbeutfd)ung ift bie gefinnungsmäßige, bie roobl bas 91 a - t i o n a l b e r o u ß t f e i n , niebt aber bie oolfsmäßige gugebörigfeit bes Drägers änbert. ©ie mag in SRieberfcblefien früher größeren Umfang geßabt baben, beute ift fie bier aus bem einfachen ©runbe auf einen geringen 9taum befebränft, roeil es nur nod) wenige SERenfcben polnifcber ^ausfpracbe gibt. Daß fie fid) ooll jum Deutfibtum befennen, bas bat bie 2lbftimmung in einigen Orten bes SRamslauer Kreifes nad) bem Kriege mit 97,6 ^ro jent beutfiber ©timmen betoiefen.

3n Oberfiblefien bagegen ift beutfebes iöeioußtfein bei polnifd)er ©prad)e für bie

©egenroart bie tppifibe Sorm. ©ie ift eine SBirfung ber fieben 3abrbunberte langen Sugebörigfeit jum Deutfcben 9leid)e, ber Kultur» unb ©cbidfalsgemeinfcbaft mit bem beutfcben 95otfe. Den „Seafferpolen“ Oberfcblefiens entfpreb>en bie

„©ddonfafen" Oftfblefiens, bei benen es fid) weniger um ein 33efenntnis jum beutfdben ©faate, als ein nicht minber ffarfes ju r beutfeßen SRation unb Kultur banbeit. 5Rur bie feit langem oon ©cßlefien getrennten iperäogtümer Slufcbwig unb gator jeigen feine entfpred)enbe ©rfebeinung, hier bedt fid) beute bas polni=

fdie 9}olfstum mit flarem polnifcbem bRationalbewußtfein.

2lber aud) biefe öftlicbften Horpoften bes früheren pofitifeben ©cblefien werben oon ber oierten, fdjwäcbften ©tufe ber ©inbeutfd)ung erfaßt, ber f u l t u r e i l e n ,

*) 93gt. ©art ^eterfen, )ÖD[f, Station, Staat unb Sprache, in: Deuffche $effe für tBoifs» unb Kutturbobenforfchung, 3g. 2 (1932), ©. 193—-224,

(6)

bie bei ben btet übergeotbneten, bet folonifatotifcben, bet fptod)Ed>en unb bet na=

ftonolen (Sinbeuffcbung, felbftferfia'nblid) iff. 2>ie Verbreitung bet beutfdfen Jtulfur=

formen in ©ieblungstoeife, Sfrelif, 3Birffd)aff, Sunff, geiffigem Seben uf®. gefdfab fcbon tm SKiftelalfer, freificb mit nad) Often abnebmenber ©tarfe. grtr bas engere Dberfcblefien unb Oftfd>lefien fommt bann nod) eine fpegielle jroeife f)auptperiobe bes Sinftrbmens beuffd)er gormen ba,m, . bie Bnbuftrialifierungsseit bes 19.

3af)rf)unberts. 2lfs ein Oeif bes ehemaligen ©cblefien, ber aucf) t>on beuffd)en ^ul=

turformen nid)t fonberfid) ftarf berübtt tourbe, fann bas fierjogtum ©eoerien an- gefprod)en roerben, bas beute 3U Stongref3po[en geborf.

2lus ben bargelegfen ©runbjügen folgen bie Aufgaben einer beutfcben ©ieblungs?

gefd)icbte Oberfd)Iefiejis. ©ie bat bas ©ebiet im Bufammenbang mit feiner Um=

gebung auf affen ©eiten ju betracbten. afs einen toiffenfdiaftlicb befonbers Ieid)f 3u erfaffenben Vertreter bes fcblefifcben ©pracbinfeffanbes. ©te bat bie Urfad)en für bie gegentpartige Slnorbnung ber Pier ©tufen ber ©ermanifierung p ermitteln, ©ie bat im befonberen bie fieblungsmafeige Sfusbreitung ber Seutfcben in ben einjelnen 3eitabfd>nitten ju erforfdjen, aber aud; bie ©iebfungstdtigfeit ber nur bem ffla- tionafbefenntnis nad) beutfdten 33eorIferung unb bie ©egenaffionen bes reinen 'Potenfunjs.

2. Ote 3cit Por ber beutfcben Äofonifafion.

a) ® t e 33 e f i e b f u n g bes 2 a n b e s.

®ie mitfefalterficbe beutfcbe Sinroanbetung in Oberfd)fefien finbet ibre Voraus- feftungen einerjeits in ber älteren 93efiebfung unb ben fultureften guftänben bes 2anbes, anbetfeifs in ber Äofonifation ber roefflid) angrenjenben ©ebiete Slieber- fdifefiens unb 3Räbrens.

3Bie anbertoärts, Jo loaren auib in Oberfcbfefien am frübeften bie ro a fb f r e i e r

© e b i e t e ber 35efiebfung jugdngfibb, beren 2fusbebnung freifid) roä'brenb ber ein- sefnen urgefcbicbfficben “perioben feit ber mittleren ©teingeit fd)roanffe. 2fm roid)- tigften finb bas 2öf)gebiet um 2eobfd)üb im ©üben, ber 581ufd)effalfrüden 3101- fd)en ^rappift unb ®eufben in ber 3Kifte unb bas Oppelner ©ebiet an beiben Ober- ufern im 9lorben. §ier finben ffd) in guter ifebereinftimmung bie 91 e I i f t e b e r p o n t i f d ) e n © t e p p e n f f o r a*) unb bie u r g e f d) i d) 11 i <b e n g u n b e .

33on ben beiben o b e r f cb f e f i f d) e n © f ä m m e n ber O p o f i n i unb © o - f e n f i c i, bie ber baprifdie ©eograpb im 9. Oabrbunberf nennt, iff ber erffe im Oppefner ©ebiet, ber atoeife im fübficben 2ofegebiete au fud)en, fein 9tame lebt beute no6 in f > o f a f o n > i c e roeiter, ber affen tfcbedufcben SSejeidmung für Slreua- botf bei Oroppau. ®s finb bie Opofini, affo bie öauptgruppe ber aften oberfcbte- fifcben ^ofea, bie ©ofenfici bie ©fammoäfer ber SOforaroaen im |»ufffidinet 2anbe,

©ine äbnlidte ©ieblungsoerteifung toie bie oorgefd)id)tlid)en gunbe aeiflen uns bie a l t e ft en g e f d ) i c b t l i c b e n ^ a c b r i c b t e n über ffaoifdje Orte. 23is 1200 freifid) finb nur gana_ wenige Slamen in ben Urfunben enthaften, man mufj fibon bie ber näcbffen ^eriobe mit baaunebmen, um ein beuffid)es 58ilb au gewinnen.

1 Ia beutfdie SÜofonifafion in ben meiften ©eilen Oberfcblefiens iwd) feine ffärferen SMrfungen ausgeübt, ©ragt man bie bis babin genannten Orte in eine Karte ein, fo ergibt fid als bid)f befiebeft ber ©üben innerhalb ber 2inie

©roppau — — Obergfogau — güta, bann bie Umgebung »on Oppeln unb ©rofi=©frent5 bis gegen ©off. 3n ben 2Bafbgebieten nörbfid) unb fübfitb bes SOlufdtelfalfrüdens liegen nur oerftreute Orte, eine gröbere 2fmabl erff mieber um ©efdten.

*) 33gf. bie Karte „iflefiftform en edjter ©teppenpffanaen in © d le fie n " Don (£. © cp a = I o io, in: SOlitteilungen bes ^Beutbener ©efcbicbfs- unb SftufeumsDeretns, ś e ft 13— 14 nad) 6 . 258.

(7)

®ie 5>örfer liegen teils in ben Ś a l b e t t e n ber Slüffe (an ber Ober bei 9ta=

tibor, an ber 3Beid)fel unb 6ola), teils in R a n g l o g e aufeerbalb ber fiocbtoaffer- aone (an ber Ober bei Oppeln, an ber Oppa unb Olfa), teils abfeits ber großen SBafferabern entroeber auf ben | ) ü g e l r ä d e n ober in 9^e f t l a g e am oberen Snbe ber fleinen Sad)Iäufe: fo im £)ügellanb um Sef^en unb fftpbnif, im Srop=

pauer ©ebiet, teilroeife auf ber Sößplatte oon fieobfdjüß unb entlang bes ^lufcbet faltrüdens.

2lls urfprünglidje Oorfform barf tool)l bas | » a u f e n b o r f angenommen werben, rote es fid) an mannen ©teilen (im Oefdjener unb Oroppauer ©ebiet, im Obertat füblid) 9latibor, in ber Umgebung oon fRpbni! unb oon ßubliniß) erbalten bat, unb wie es aud) fonft für bie ältefte Sanbnabme ber ©ermanen unb ©laoen bejeicbnenb ift.*)

b) O ie p o l n t f d ) = m ä b r i f d > e © p r a ^ g r e n j e .

^olitifd) war bas ©ebiet bes heutigen OberfdUefien in ber fraglichen geit auf bie beiben ©taaten “^olen unb URähren aufgeteilt. Oie ©renje ift na<h bem 2ln=

fall Oberfchlefiens an 23öbmen (1327) beftehen geblieben als ©dteibe jwifihen ben Herzogtümern Oppeln unb Oroppau unb ben 23istümern SSreslau unb Olmüß.

©ie ift jugleid) bie 33erührungslinie ber polnifchen unb mäbrifchen ©praihe. Oie wefentti^en 2autoerf(^iebungen, bie beibe ©prad)en trennen, waren 1327 fchon oolljogen.**)

Oie ©prathgrenje hat fid) feither mit wunberbarer gdhigfeit erhalten. 3m 9laume bftlid) oon Hatfcher bedt fie fid) heute nod» Oorf für Oorf mit ber alten

©taatengrenze oon “’Polen unb URähren. ©ie hat hier eine angenäherte SBieber- auferftehung gefunben in ber ©renze bes |)u[tfdiiner Uänbchens gegen Oeutfd)lanb.

Oie 3Burzeln bes fmltfduner “problems reid)en alfo zurüd in bie geit oor 1327.

Oer fleine Splitter mährifchen Sprachgebietes, ber burd) bie ©renzziehung oon 1742 an “preußen fam, hat bem Oeutfchen oiel weniger SHMberftanb entgegengefeßt als bas größere polnifche ©ebiet. ©o ift feine weftliche Hälfte oon Äatfdher an eingebeutfcht worben, zum Oeil erft im 19. Óabrhunbert, unb bie polnifd)=mährifd)e Sprachgrenze ift hier zu einer polmfch=beutfd>en geworben. Oie nationale (£in=

beutfchung hat bie fmltfchiner SRährer reftlos erfaßt.

3, Oie “Sorbereitungszeit ber beuffchen Äolonifation (1200— 1260).

a) O ie b e u t f d » e S t ' o l o n i f a t i o n i n b e n 9 1 a d ) b a r g e b i e t e n O b e r f c h l e f i e n s .

Um 1200 greift bie beutfche Solonifation auf ben fRaum ©chlefiens über, ©ie pflanzt fid) mit großer ©chnelligfeit entlang ber ©ubeten nach Often fort unb nähert fid) oon brei ©eiten her bem Oppelner Herzogtum: im fRorben aus bem S?reuz=

burger ©ebiete, im SBeften oom 93reslauer P5istumslanbe unb im ©übweften oon Oroppau unb Oftmähren her.***)

_ 2lm weiteften reid)t bas ©infeßen ber Äolonifation im n o r b m ä h r i f c h e n

©ebiete (alten Umfanges) zurüd. URährifch=9Reuftabt wirb 1213 begrünbet, Sägern- borf oor 1221, greubenißal oor 1223. 3m ©efenfe ift es ber ©olbreichtum bes

*) 33. 3 a b o r s t i : Hebet Oorfformen in “polen unb ihre 33erbreifung. Oeutjche Uebctleßung Oreslau 1930.

**) Srnft © d) w a r z, Oie Ortsnamen ber ©ubefenlänber als ©efd)ichtsquene, HRün=

(ßen—33ertin 1931, an Der|cf)iebenen ©feilen.

***) Sofef P f i ß n e r, Oie 33efieblung ber ©ubeten bis sum 2lusgang bes SOlitfel- alters, in: Oeutfihe Hefte für 33olfs- unb Äulturbobenforicbung, Dg. 1 (1931/2),

©. 65-87 unb 167—191.

(8)

©ebtrges, ber bie erften Slnfiebler tocft, unb anföngH^ liegen bte beutfcfren 6tabte rw>bi roie Oafen in ben menjdbenleeren 3Bälbern. Balb aber enfffeben and) beutfcbe

^Dörfer, aunadjft am ©ebirgsranbe im ©üben unb Korben. ®5 banbeft fid) in biefer älteften ©ieblungsperiobe burcbiueg u m6 t r a f s e n b ö r f e r .

3m ^ l e i f e e r ©ebiet finb es bie 33restauer 23ifdtbfe feibfi, bie mit ^[anmafeig- feit unb Satfraft bas ©ieblungstoerf im ‘Bereite ber alten ^refefa, bes ©renaur»

roalbes jmiftben Sfieber- unb Oberfcblefien, förbern. Sinnen furjem mirb bas Sistumslanb ein rein beutfd>es ©ebiet, jufammen mit bem norbliib uorgelagerten

^erjagtum Srieg ein fefter beutfeber 5)amm uom ©ebirge bis an bie Ober, roeftlicb beffen bas eingefdbloffene ©lacentum eingebeutfebt mürbe, roäbrenb ber Often, Oberfddefien, eine gefdbrbete Sluftenjone bes ©eutfd)tums blieb.

©d)Dn im ameiten Oabraebnt bes 13. 3abrb- bürfte 3t e i fe e als beutfebe ©tahr begrünbet roorben fein. 1222 entftanb im 3Bettberoerb mit ben mäbrifeben Slttarfgrafen g i e g e n b a l s . 3Bäbrenb ber nörblid)e l e i l bes Sistumslanbes nod) mit ©trafeenbßrfern tolonifiert ift, tritt bier um Bmgenbals jum erftenmal in fo roeit nad> bem Often t>orge)ci)obener ^age bie „moberne" ©ieblungsform bes S B a l b b u f e n b o r f e s auf, bie für bie beutfebe SMonifation in Oberfddefien unb ©alijien im folgenben eine fo grofee Sebeutung geminnen feilte. 2Bir fennen fogar bie Flamen ber SKänner, bie fie im Sistumslanbe beimifd) gematbt baben: bie Sßgte Sßitifo unb ©ifrib, bie 1222 im Aufträge bes Sifdmfs iłoreną ßiegenbals unb bie Oorfer feiner Umgebung anlegten, — augleid) ein fd)önes Seifpiel bes für bie fd)tefifcbe Äolonifafion fo bejeiebnenben e i d) b i I b f p ft e m s, ber gleib' aeitigen Sefieblung eines gröfeeren Sanbftüdes burd) eine red)tlicb übergeorbnete

©tabt unb einen Slrana »on Öörfern (©tabt=2anb=@ieblung).

2Bas bie Sreslauer im Uleifeer ßanbe, bas tat ber O 1 m ü b e r S ifb o f S r u n o o o n © d > a u e n b u r g an oerfd)iebcnen ©teilen SRäbrens. gmei feiner Sfoloni»

fationsgebiete in ber 3ta<bbarfd)aft Oberfddefiens finb für biefes oon befonberer Sebeutung: im O lm & er Sistumslanbe um | > o k e n p l o f c tourbe um 1250 bas 3öatbbufenborf eingefübrt, etroas fpäter im Often Sütäbrens um S r a u n s b e r g (©tabt unb 2Beid)biIb 1267) unb 3R ü b t > f d> = O ft r a u.

21ud) an ber brüten ©eite Oberfdjlefiens, im 31 o r b e n, maren es in erfter Uinie geiftlicbe 3Jtäd)te, meld)e bie Äolonifation einleiteten, unb ąmar bier bie Śreslauer Öofpitalorben. 1228 mürbe © a r } i s f im ^anbsberger ©ebiete, bas bamals nod) au 31ieberfd>leften gehörte unb erft im 14 3abrbunbert au Oppeln fam, oon ben Sluguftiner Eborberren bes ©anbftiftes in Sreslau au 3teumarfter 3led)t ausge-- fe^t.*) 3n ber 3Jlitte bes 13. Oabrbunberts fd)ufen bann bie Sreslauer &reua=

berren mit bem roten ©tern um U r e u 3 b u r g ein größeres ©ieblungsgebiet, in bem ©traßen» unb SBalbbufenbßrfer nebenetnanber auftreten. 1253 mürbe bie

©tabt Uüeuaburg felbft angelegt, 1261 H u n 3 e n ft a b t (Ulonffabt).

b) E r f t e 31 n f a n g e b e r Ä o l o n i f a t i o n i m § > e r a o g t u m O p p e l n . Unter ben oberfd>Iefifd)en 2anbfd)aften nimmt bie Ußßplatte eine ©onberftellung ein. 3tur bier oollaiebt fid) bie beutfebe Uolonifation fd)on in ber erften Öälfte bes 13. 3abrbunberfs mit ooller Äraft. gür bas übrige 2anb, oor allem bie ©ebiete öftlid) ber Ober, bringt bie Seit oor 1260 nur bie erften SInfäße ber beutfeben

Einroanberung, fleinere Einaelaftionen, roeldie gleid)fam aögernb oorfüblen, bie neuen ©ieblungsmetboben im 2anbe beimifd) mad)en unb bas gefcbloffene Einfeßen ber Äolonifation in ber ameiten f>älfte bes 13. Oabrbunberts oorbereiten.

*) Sgl fmlene S v a b m e r, pur ©efcbidjte bes 'Dorfes unb ber Ulrcbe ©arfist, Ureis 3lofenberg O. ©., in: |jeimattatenbev bes Ureifes Jlofenberg O. ©. 1933,

@ .1 9 - 2 8 .

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’Bei ben S t ä b t e n finb bie Sräger ber Sntroitffurig fjauptfä^ilid) bie 2anbes=

befren. ^Bereits oot 1217 werben ben „©äften" (bofpites) in ben Jlefibenjftabten O p p e l n unb sJ t a t i b o r greibeiten Perlteben. Ss banbelt fidb fym fiiber um bie erften, nod) nicbt ju r Stabt organifierten Elemente einer beutfcben 33ürger=

(sbid>tf Por allem um ftaufleute. 1234 befi^t Oppeln, 1235 3latibor bereits Dolles

©tabtreibt. 3ur gletcben Seit befteben in bem bamals nod) mäbrifd)en Seile bes Sanbes, oon ben 2anbesfürften begrünbet, fd>on bie Stabte Ś r o p p a u (por 1221) unb 2eob f d) ü ö-*)

1254 roirb 33 e u t b e n Don |)er3og 3Blabislaus Don Oppeln als beutfcbe ©tabf mit 140 fmfen ausgefefet. 33on ben uns belannten 2>orfgrünbungen por ber SIRitte bes 13. Sabrbunberts gebt nur eine, freilich bie ältefte, auf bie beraoglicbe äKacbt ąurud: ^ e l g , ber 23orIäufer Don Sülg, bas fdiou Por 1225 beutfcbes 9lecbt befafe.

©onft mürbe bie Kolonifation nad) ben erbaltenen Urfunben in biefem Seitubfcbnitt, ebenfo rote in ben 91ad>bargebieten, oon ben g e i ft l i e b e n 31t ad) t e n geführt, bem 33ifd)Df unb ben Älöftern. Sie fd)oben ihre SSefitjungen Don ben roeftlicben Stammfitjen aus in bas ober|d)lefi|d)e 3teulanb Por, fid) 3unad)ft auf bie fdbon befiebelten Striibe ftüfeenb unb oon ba aus in ben 3Batb Dorftojjenb.

Bereits Por 1183 butten bie 3 o b a n n i t e r im 2eobfd)üöer 2anb gufe gefaßt 1200 erhielten bie 3 i ft e r 3 i e n f e r Don ‘’Pforta an ber Saale ein roeites 2anb=

gebiet awifdien ben glüffen fmßenploß unb ©trabuna, unb als fie bas 2anb nid>t behaupten fonnten, tarn es an bas Stlofter 2eubus. Siefe altefte Stieberlaffung bes Sifteraienferorbens in ©d)lefien bat aud) auerft ihre oberfcblefifdjen 33efißungen mit beutfebem 3ted)t ausgeftattet. 1225 mürbe ©offentin, feit 4 Śabren Sigentum bes Or=

bens, au bem beutfcben Orte S? 0 ft e n t a l umgelegt, atoifdien 1239 unb 1246 folgte Ä a f i m t r. Seibe Orte, bie unroeit oon einanber füböftlid) oon Oberglogau liegen, erhielten bas beutfebe 3tecbt bes herzoglichen Dorfes 33ela=3üla. 1234 tourbe bas bem ^ramonftratenferllofter Obromiß gehörige Oorf 2 ö ip i ß füblid) 2eobfd)üß oon allen 2aften befreit, naebbem es Dorber mit S>eutfd)en befiebelt roorben mar.

1240 errpfrlten bie Oobannifer für ihre Óorfer 3R a d a u (roeftlid) 3vatibor) unb 3t e p f d> (nörblicb Oberglogau) 9teumarfter 3tecbt, gleicbseitig für 33 10 11 n i ß nörblicb Ujeft im Oftobergebiet. 1247 tourbe Ä 05 f e fübliib Äofel Dom 23res=

lauer |)ofpitalorben aum Zeitigen ©eift 3U beutfd)em 3tecbte ausgefeßt.

3lußer ben genannten toaren nod) eine 3teibe anberer Sllöfter auf ber 2ößplatte begütert, barunter aud) ber beutfeße 3titterorben, baneben befaß bas Olmüßer 33is=

tum eine 3teibe oon Dörfern. ®ie beutfebe Ifolonifafion bat ficber hier tpobl ber fjauptfacbe nad> in ber erften fmlfte bes 13. öabrb- abgefpielt, toenn uns auib fonft nähere ©inaelbaten über fie niibt befannt finb. Unter ben Stlofterbörfern bes 2eob=

fdiüßer 2anbes treten aud) auerft in Oberfcblefien urfprünglid), rein beutfebe 3tamen auf: 3 B e r n e r s b o r f füböftlid) 2eobfd>üß (1222 Sffiernbarticj, bod) ift bie 3öen=

tifiaierung nicht gana ficber), S U e u a e n b o r f tPeftlicb 2eobfd)üß (1237 ©rucer=

borf, als ben ®eutfd)orbensrittern gehörig); 1245 bas au 2eubus gehörige

© d) ö n a u füblid) Oberglogau; 1263 beaeugt, aber fd)on früher begrünbet,

© d> P nb r u n n unb ® i 11 m e r a u öftlid) 2eobfd)üß, ©igentum ber öobanniter.

3lnbere Orte tDed)feln ihren urfprünglid) flaoifcben Slamen in einen beutfcben. ©0 tpirb |) ob n b o r f 1259 33od)utDaletDi3, guob et |) oben borf nuncupatur, genannt.

Oen Slnfang aur 3Beid)bilb=Solonifation im O ft o b e r l a n b madite unferes SÜBiffens ber 33reslauer 33ifd)of 2 0 r e n a in ben oberfdUefifdhen 33efißungen bes Bistums. 1222 geftattet ihm |)eraog Kafimir bie Slnfieblung beutfeber ober an=

• *) ®er neuerbings für 2eobfd)üß unternommene 33erfud), feinen Beftanb als ©tabt fd)on für 1187 nad)3utDeifen (B e b n a r a, aus ber grübgef(bid)te ber beutfcben ©tabt 2eobfd)üß, in: Beiträge aur fieimatfunbc Dberfcblefiens, Seobfcbüß 1931) fann nid)t als geg'.üdt angefeben inerben.

7

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berer (Sofie nad; beutjd>em 3ved)t im Ujefter (Sebiete. 3m näd)fien 3ai)te übertrug Sorenj bem 33ngt 3B a 11 e r r> o n 31 e i fj e bie Slnlage eines SDtarftes unb mehrerer

®örfer nad) Sceumartier 3ied>t. Sas f^nelte SBeitergreifen ber beutfdjen gormen nai^ bem Often ift t)ier mit au|erorbentIid)er JlIarĘjeit 31t fel;en: als eine ber erften beutfdjen 6täbte in ®d)Iefien tourbe urn 1210*) 3teumarft gegrünbet, fein 3led)t ubernal)in atsbalb Jleifee, ber Vorort bes Sistumslanbes. Seffen 25ogt — roatjr- fdjeinlid) mar er aud; ber Segrünber ber (btabt unb ein gadnnann ber beutfd;en Äolonifation — mürbe nun, unb smar |d)on 1223, mit ber SBeiterpflanpng bes üleumartter sJied)tes nad; Óberfdjlefien betraut. 1235 erlangt biefes 9led)t t l i u t f d) a u norbmeftlid) »on Ujeft. 1260 erfd;einen U i e ft unb 6 1 e i n a u ais beutfd;red)ttid)e bifd)öflid)e ©täbte. 3m gleichen 3abre mürben bie 23ifd)ofsbörfer o n i f d) o m i ^ unb 51 i s f u p i 'g mefflid) 33eutl)en 311 3teumarfter 5Hed;t urn- gefefct, fpäter erfdjeinen fa'mtlid)e bem 33ifd;of in Oberfd)lefien gehörigen Orte als beutfchrechtlid).

. 2lu(^ im Oftobergebiete ftehen neben ben S3ifd)öfen bie Slöfter als folonifterenbe fÖtai^t, e>or altem im ©ebiet ber Äralauer Siöäefe. 1247 festen mit Srlaubnts bes t>rr3cgs Sölabislaus bie ‘flrćimonftratenfer bes SJinaenjftiftes bei Śreslau bas Sorf 9te p t e n nörblich 23euthen, bas fd)on 1201 in ihrem “Śefife mar, 311 beutfd>em IRechte um. 1257 taten ein gleid)es bie Äratsberren 311m ^eiligen ©rabe in SRiechóm mit ihren Sörfern © I; 0 r 3ó m unb S t i e d» 0 m i c e („^eIobre3i")* * ) bei SSeuthen. 1260 erlaubte §>er3og 3BlabisIam bem Älofter Staniatef, feine Sörfer £ e n b 3 i n unb 3 Q 10 r 31t beutfchem 3vechte umaufe^en.

^ 21IIe in ber 3ett bis 1260 im eigentlichen Oberfchlefien ausgefe'gten Orte finb ber gorm nad) © t r a f e e n b ö r f e r , bas SBatbhufenborf fommt in biefer sPeriobe nod) nicht oor. Seachtet man bie geographische 33erteilung, fo ergibt fid; bie auf=

fällige Óatfad)e, bafe fid) biefe erften beutfchen Einlagen burchmeg an bie ©ebiete a l t e r 3 3 e f i e b l u n g halten, bas fiößgebiet amifdjen Ober unb Oppa unb ben yjtufcheltalfrüden smifchen Äofel unb SSeuthen. 3tad) ©üben gehen fie üor 1260 nicht über bie itinie Ujeft— 33euthen hinaus, bas §)auptgebief ber 3BaIbhufenfoloni=

fation in ber 3meiten Hälfte bes 13. 3ahrhunberts bleibt noch unberührt. Sie Flamen ber beutfchen Einlagen finb mit ben roenigen genannten 2lusnabmen p 0 1 n i f d) ober angebeutfcht, auch Äoftental (gelegentlich auch Äonftantin) 3. 33.

ift eine 2lnbeutfd)ung aus ©offentin. ©s hanbelt fich alfo mohl um Umfe^ungen älterer flaoifdier Sörfer. Safe bie ©iebler nid)tsbeftoroeniger S e u f f d i e maren, mirb baraus tlar, bafe bie sroei älteften ©rünbungen ber Ueubufer 3ifter3ienfer, Äafimir unb Äoftentat, mährenb ihrer gansen ©efdicbte burchaus beutfd) maren unb es auch heute nod) finb. Ä a f i m i r liegt unmittelbar an her ©ren3e bes ge=

fd)loffenen beutfchen ©prachgebietes unb ift (ebenfalls erft fpäter an biefes ange=

roachfen, Ä 0 ft e n t a 1 ift heute nod) ©pradnnfel, roenngleid) unmittelbar oor ber

©prachgrenae gelegen. 33on 2 ö m i fe roirb in ber Urfunbe oon 1234 ausbrüdlid) gefagt, bafe es eine „oilla Seutonicis habita" ift. gür UR a d a u beaeugen bie -Ramen bes Urbars oon 1532 (23gl. ©. 17) feinen früher beutfchen ©ha ratter, gür anbere Sörfer finb uns roenigftens gelegentlich :Ramen oon ©inroohnern überliefert, aus benen ihr Seutfchtum heroorgeht. 2Inbers als burch Seutfche märe ja bie ©inpflanaung ber für Oberfchlefien fo oöllig neuen beutfchen fRed)ts=

unb ©ieblungsformen gar nicht möglich gerocfen.

*) 3u bem ftrüligen ®atum oergl. jcfet Slbolf 6 h a u b e, ®ie beiben ^allenfcr 6d)öifenbricfe für SReumarff, in: geitfcbrift bes Vereins für ©efhihte ©hlefiens, 33b. 65 (1931), 6. 138.

**) SR a i n f e, SRiecbomice — bas alte 33iaiobrefie?, in: SRitteilungen bes 33eutbener

©efd)ihts= unb SRujeumsoereins, |)cfi 11—12, 1929, 6. 202 f. ®tc übrigen ®afen biejes aibfchnittes aufammengeftellt in ben gufenoten bes „2iber funbationis episcopatus SSratislaoienfis", hrsg. 3R a r t g r a f unb © h u l t e , in: ©ob. bipl. 6ii. 14, SÖreslau 1889.

(11)

4. $tc B lfitcjcit ber beut{d)en Stolonilafiort (1260— 1300).

a) ® ie Q u e l l e n a u r S r m i t l l u n g bes U m f a n g es b e r ^ o l o n i f a t l o n .

5)ie SBliitejeft ber mittelalterlichen beutfd)en ^olonifation im Oftoberlanbe Ober=

fchlefiens bilben bie rńer Sahraelmte 3toifd)en 1260 unb 1300. 9lun entftehen nid)t mehr »ereinaelte Qbrfer unb 6täbte. ®as aanae Oppelner Seraogtum roirb »on ben llanbesfürften ptanmä&ig mit einem Sleft »on ©täbten nad) feftftehenben

©röfeentupen fiberaogen, in SSerbinbung bamit roerben ausgebebnte 3ufammen=

bängenbe Sanbgebiete folonifiert, ein ©rofeteil ber altpolnifd)en Qörfer umgelegt unb mit beutfcbem 3led)t begabt, bas ficb faft überall im Sanbe burd)fefet. Sefet erft tritt bie neue ©ieblungsform bes SB a l b b n T e n b o r f e s auf, um fofort außcrorbentticbe ‘üebeutung ju geroinnen. Qas ältefte uns befannte ift Scbönmalb füblid» ©leitoib, bas 1269 »on bem 1252 begrünbeten Sifteraienfertlofter 51 au ben angelegt mürbe. SBieber erfdieint atfo eine geiftlicbe SSRacbt als Ueberbringetin ber neuen Kulturform, unb roieber ift bas Oorf inmitten einer polnijcb ge­

worbenen Umgebung bis beute beutfcb geblieben. Öm fofgenben tritt bie 23ebeufung ber Kird>e als folonifierenber JIRacbt äurüd, bas fmuptroerf leiften bie O p p e l n e r

e r 3 ö g e. <3bte Reifer finb neben ben Bürgern ber beutfcben 6täbte neuein- gemanberte beutfd>e 2l b e l s g e f d b l e d ) t e r . Ss mürbe fid> burd) Sufammen- ftellung ber bis etroa 1300 auftretenben Stamen »on Silbeligen unfcbmer 3eigen laffen, baf; ein grofeer Qeil »on ibnen Qeutfcbe roaren. ©leid>es gilt für bie ©eift=

liebfeit, foroobl ber Klöfter mie bie SBelfpriefter.

Oie menigen uns erhaltenen Slusfetjungs- unb Srecbtsoerleibungsurfunben geben nur ein gana unootlfommenes 33ilb »on ber ©röfee ber SSeroegung. SDtan mu| an»

bere Quellen beranaieben, bie amar bie Sntmidlung nid)t in ibren einaelnen <5d)riU ten »erfolgen laffen, aber ibre ©efamtmirfung in einem Querfcbmtt a^igen. ©in günftiges ©efdiid b»t als fold)» bas „S8ucb »on ben Sinfünften bes SSistums Söreslau" ( l i b e r f u n b a t i o n i s episcopatus S8ratisla»ienfis) »om ©nbe bes 13. 3abrbunberts erbalten.*) ©s gibt bie gebnten an, meldie bie 93ifd)»fe felbft aus ben einaelnen Qörfern beaogen. sBei ben ^»(en mar bie ©nfriebtung bes Sebnten in ber urfpriingticben 2lrt »om gelbe meg, als gelb- ober ©arbenaebnt, üblich, in malbreidben ©ebieten rourbe er auch in fwnig, ober als ein gälte ge­

geben. Qem beutfcben SHecbt bagegen entfprad) bie gebntleiftung in einem genau beftimmten ©etreibemafe (SDtalteraebnt) ober in ©elb. Qas polnifdje Qorf aebntete als ©efamtbeit, bas beutfcbrecbtlicbe mar in gleid) große |>ufen eingeteilt, »on benen bie Abgaben eingeboben mürben, ©o fann man aus ben Eingaben bes Süegifters über bie gehntenaablung auf bie 2lrt ber Qorfer fd)ließen. ®a ber Sehnte ber neuangelegten Qörfer (3teubrud)aebntf bem S8ifd)of auftanb, »on ben Sehnten ber älteren Öörfer bagegen fd)on eine 9teibe cm bie KoIIegiatfircben in Qppeln unb Statibor fomie an eine Steibe »on Klöftern »ergeben maren, treten unter ben im liber funbationis genannten Orten bie neuen beuffcbrecbtlicben

»erbältnismäßig ftarf beroor.

©pätere Quellen geben |)inmeife auf bie beutfcbredülicbe 35erfaffung, inbem fte

^ufenglieberung, beutfebe 2lrt ber Slbgaben, Stamen »on ©d)ulaen ober einfad) bas SBefteben einer ©dioltifei anfübren. Oer © d) u l a e mar ber bie 21nfieblung eines beutfd)red)ttid)en Qorfes burd)fübrenbe Unternehmer, er unb feine Stacbfbm- men erhielten in ber Kolonie eine Steibe »on SBorrecbten, bie fie eine mittlere Stedłts- ftellung amifdten greien unb 3lbel einnebmen ließ. ©>em ©ebulaen im ®orfe ent­

fprad) ber Sßogt in ber ©tabt.

*( §>ersg. fiermann 3 t a r f g r a f u. SBilbeim © d» u 11 e, 33res[au 1889 — ©ob.

bipl. 6il. 33b. 14.

(12)

Sefonbers roertüolle Quellen ju r Srfaffung bes Qeutfcbtums ftnb bie U r b a r e , bie non ben einaelnen ©utsberrf^aften angelegten ^eraeidjniffe über bie Sieiftungen ibrer bäuerlichen ^interfaffen. 6ie [eben für Oberfcbtefien allerbings erft ju beginn ber Uteuaeit ein, au einer Seit alfo, roo bie länbliiben üvecbtsnerbättniffe fibon tiefgreifenbe Umgeftaltungen erfahren batten. ®ie Urbare bringen aum erftenmale noilftänbige Ütamensneraeicbniffe einaelner Qorfer. SBäbrenb bes Ut£ittel=

alters finb uns ^erfonennamen non Uticbtabligen nur gelegentlid) in Urfunben überliefert, unb nur für bie ©täbte in gröberer Subt- Sur Seit bes ©infefeens ber Urbare toar aber ber gröfjte STeil bes alten oberfcblefifcben Qeutfd)tums bereits ber '’Polonifierung erlegen, unb ba bamals bie Familiennamen nod) nii^t feft maren, batten aucb fie tbren fpraiblidten ©barafter aum groben ©eil geönbert. ©s ift alfo ber Uliangel beutfcber ^erfonennamcn um 1530 fein 33emeis gegen Segrünbung bes Ortes burd) Qeutfcbe. Qagegen fann unter Umftänben fcbon aus einer geringen 2lnaabl beutfdier Ulamen unter einer polnifdjen URebrbeif auf ebemaliges ®eutfd)=

tum gefdUoffen merben. greilicb mirb man babei oorfiditig fein müffen, benn es fann fid) aud) um Suaügler banbeln. 2lud) mirb man fid» büten müffen, Serufs»

unb ©fanbesbeaeicbnungen roie ©dtneiber, Seinemeber, F ü lle r, Sfretf^mer, ©ärf=

ner, 6d)ula, Freier, bie in ben oon beutfcben 33eamten in beutfcber ©praibe t>er=

fabten Urbaren ungemein bäufig finb, als beutfd)e Familiennamen anaufeben.*)

©benfo finb beutfdje Foimen ber Vornamen in beutfcben Quellen fein 33emeis für bas Qeutfcbtum bes ©ra'gers.

©in mefentlicbes Ultiftel aum Stacbmeis beutfcber ©rünbungen finb beutfdje O r t s n a m e n ber Vergangenheit unb ©egenmart. Vud) hier finb Ulamen aus=

aufcbeiben mie 2lltborf, Uleuborf, Vogtsborf, Fiauenborf (für ein einem F_rauen=

flofter gehöriges ®orf) ufro., bie mehr bie äubere Vefd)affenbeit unb Sugebörigfeit eines Ortes beaeiibnen unb ihm oon außen fyex, meift oon ber benad)barten ©tabt aus, gegeben mürben, ©inen einmanbfreien §)inmeis auf ©eutfcbtum bilben ba=

gegen mit ©>eutfcb= aufammengefeßte Flamen (Qeutfcb^iefar, Qeutfd)=3Beid)feI ufm.), febr mertooll finb audj „2Bunfd)namen" mie ©d)önmalb, Vofenberg, mäbrenb Benennungen nad) beutfcben Veifouennamen (Qimmenborf, ©ottfcbalfomiß) nur einen ©d)fuß auf bie Verfon bes Ortsgrünbers ober erften Befißers aulaffen.

®a bie beuffcbe Solonifation ihre eigenen O o r f f o r m e n ins 53anb brachte, bieten biefe einen mertoollen Behelf ber ©ieblungsgefcbicbfe. Freilich haben fie in ber Folgeaeit manche Beränberungen erlitten, burd) natürliches Sßacbstum, Bauern»

legen unb oor allem burch bie Felberfoppelung unb ©eparafton bes 19. 3abrb-, fobaß oft bie urfprüngliche 2lnlage nicht mehr genau au erfennen iff. Smei beutfche Formen fommen im SSRittelalter in Frage, bas ©traßenborf**) unb bas SSalb»

bufenborf,***) beibe ben altflaoifchen ©ieblungen gegenüber burd) größere %>gel=

mäßigfeit ausgeąeidmet. Qas ©traßenborf teilt mit ben §>aufenbörfern bie Uage auf ben fJöbenlinien bes ©elünbes unb bie ©lieberung eines Befißes in mehrere

©tüde. Oie §aufer liegen aber bei ihm nicht unregelmäßig beifammen, fonbern au beiben ©eiten einer furaen geraöen ©fräße, ©as 2Balbbufenborf mirb meift in einer Sallinie angelegt, bie |)öfe fteben in größeren 2lbftänben au beiben ©eiten bes ©orfbaibes unb ber ©orfffraße. ©ie Friber aeigen nicht mehr ©emengelage, fonbern jebe 2Birt]d)aft beffebt aus einem gefd)loffenen ©tüd, bas in einem gleich- breiten ©treifen hinter bem |)aufe ben ©alljang binaufreicbt. infolge biefer flaren

©lieberung, bie burch bas Slnerbenrechf uu<h für bie Sufunft erhalten mürbe, mar

*) ©o irrt 3. B. 3t ie f f he, ©efhichte ber ©tabt ©leimiß", @. 125 f., menn er auf

©runb ber Stamen bes Urbars oon 1534, bie größtenteils fianbmerfsbejeiibnungen finb, fhließt, baß bie ©tabt bamals noch eine ftarfe beutfdje SOtefmbeif batte.

**) ©as 2Ingerborf, bas biftorifd) bie gleiche ©fellung einnimmf, bier bem ©fraßen»

borf augerecbnet.

***) Herbert © h l r n g e r, Formen länblicher ©ieblungen in ©ddefien, Breslau 1930.

10

(13)

bei ben Sßalbbufenbörfern feine gelbcrfoppelung nötig, fie jeigen beute noib im roefentlicben ibte atfe © fruftur unb ftnb auf bem 3RefetifcbbIatt leichter ju erfennen afa bie @fra§enbörfer. Slud) burd) tfyre außerorbentIid)e ©emarfungsgröjje (1000— 2000 ha) fallen fie fofort auf.

S'liiht immer rourben bie neuen Kolonien auf bis babin unbeftebeltem &mbe angelegt. Kleinere altflanifcbe Orte fonnten ber gefcbloffenen Kolonifation eines gröfeeren Sanbftricbes 5um Opfer fallen. Oafür buben mir einen frönen, etntoanb»

frei flaren Seleg aus bem nörblid) angrenąenben Kreujburger ©ebiete. §ier*) befunbet fier^og f>einrid) IV . 1283, bafs einige ben Kreusbonen gehörige Oörfer, bie früber polnifcbe tarnen batten, nun nacb ibrot ilmfe^ung ju beuffd)em Olecbt mit beutfcben Flamen genannt »erben. Oas frübere ©bojenomih b^ifeu iefet ©rujer=

borf, Seucomit? Oitmarsborf, »äbrenb an ©teile t>on Goiacomih nun bie betben Oörfer Ober= unb S^ieber-Kunsenborf liegen. SMtmarsborf beifet beute »ieber 2o»fo»ib, ber alteingebürgerte flaoifd» Slame ift gegenüber bem neueren beutfhen ftegreicb geblieben, ©o mag cs an otelen ©teilen ber g a ll gewefen fein, es ftnb baber polnifcbe Ortsnamen beute fein 23e»eis gegen beutfdie ©rünbung. Oft finb fte audf nur Flurnamen, bie bem O r t fdjon oor ber Sefteblung anbaffefen unb bann bei ber Kolomfation ju Ortsnamen »urben: O a f i e n i c e, b. t. ©fibenmalb (Seinjenborf) unb K a m i e n i c e , b. i. ber ffeinige 23ad) (Kamife), beibe »eftlicb Sielib, S a f t r s e m b unb © cb» i r f l a n bei Soslau ufro. als tarnen oon tppifcben SBalbbufenbörfern. Oie beiben K u n ^ e n b o r f nörblid) oon Kreuaburg, bie oor 1283 auf bem großen, »obl meift non 2BaTbern eingenommenen ©ebiet oon Soiacomiß entftanben finb, bilben mit 3»ei benad)barten Orten einen großen 2öalb=

bufcnborfaug oon regelmäßiger gorm, bem man beute bie polnifcbe 23orbefieblung burcbaus nicbt mebr anfennen, »ürbe. 3m allgemeinen bürften aber Umfeßungen flaoifcbev Orte gerabe bei ben SBatbbufenbörfern feltener fein. 6ie finb, »ie fcbon ber S'lame anbeutet, bie tppifd)e ©ieblungsform für bie neue Sanbnabme auf 2Balb=

hoben, in hügeligem ©elänbe, oon'ben polnifben Oörfern fo febr »efensoerfbieben, baß eine Um»anblung nur eine rabifale Sefeitigung bes Sllten unb ganaficben Neubau bebeuten fonnte. 2lnbers ffebt es mit bem ©traßen= unb 2Ingerborf, bas in ber ©emannlage ber gelber, aucb in ber Oorfgröße, 31nflän.ge an bas Saufen»

borf aeigt. Se »urbe baber bie beooraugfe gorm bei ber maffenbaften Umfeßung polnifd)er Orte au beutfd)em Olecbt. oor allem im nörblid)en, ebenen Oeile Ober»

fcblefiens.**) 3»ifd)en neubegrünbeten unb umgefeßten ©traßenbörfern fcßeint infofern ein Unferfcbieb ąu befteben, als bie erfteren regelmäßiger unb größer finb, oor allem ihre fJättferaeile länger iff.

Oie © t ä b t e ber mittelalterlichen Kolonifation finb ohne weiteres erfenntlid) an ihrem regelmäßigen ©runbriß, bem befannten oftbeuffcben Slormalfcbema mit bem quabratifcben „ ‘Hing" in ber SDlitte.

b) O ie © f r a ß e n » u n b S l n g e r b o r f g e b i e f e i m ü f t o r b e n u n b 2Bef t en.

©ebt man mit btefen SDlaßftäben an bie Beurteilung ber ©iebtungsoerbältniffe in Oberfcbleften heran, fo ergibt ficb folgenbes B ilb : bie einaelnen Oeile bes Sanbes

»urben in oöllig oerfcbiebenem 9Kaße unb in oerfcbiebener 2lrt oon ber beutfcben Kolonifation erfaßt. 3m Storben, Sßeften unb ©üben »irften bie ©ieblungsroellen aus ber Slacbbarfcbaff herein, »äbtenb bie SKitte bes Sanbes weniger berührt »urbe.

2lls ein Ausläufer ber beutfcben Kolonifation im Kreuaburger ©ebiet ffellt ficb bas ©ebiet um B o f e n b e r g bar. Bei bem 1228 angelegten ©atfisf liegen bie

J') £ob. bipl. 6tl. Bb. 14, 6. 168. SBeitere Beifpiele für Bteberfcblefien bei 6 d) l e n»

ge r a. a. O. 6. 120 f.

J‘*) Bgl. bie Oorfformentarte bei © b l e n g e r a. a. D., Safel 23.

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(14)

grojjen Strafeenborfer ^oftelUt; unb |)arftotQ5borf (Oaftrspgottuce), bie ebenfalls bem Bresfauer ©anbfft'ffe gebörten unb toaf)rfd)ein(icf) aucf) non ibm fofontfterf tnurben. 3n ber 3fla<bbarfd)aft non fRofenberg. bas tm liber funbationis sum erftenmate als ©tabt (cinitas) genannt roirb, lieaen bie ©trafeenborfer 2IIt=

SRofenberg, _2I[bred)fsborf unb ©cbbnroalb (aud) polnifd) ©sęntnałb). SBet lefsterem finb sur Seit bes lib. funb. bie Sreiiabre nocb niibt abgelaufen. 3Ba<f)otn, ftiblid) SRpfenberg, gtiebert fid) bamafe in ein 3Bacborn tbeutonicum, bas nadj $ufen ge=

gjiebert ift unb in ©elb jebntet. unb in SBacboto polonicum, bas als ganjes einen galfen jebntet. Strnas weftlicb liegt bas lange ©trafeenborf ©rofcSaffoiDife, bas 1292 als ©eutfd)taffo»tfe bezeugt iff.

3m SBeften Oberfcblefiens tueiff ber ©rensffreifen gegen 23rieg, gegen bas 33is=

tumslanb unb bas Sroppauer ©ebiet ffarfe beutfibe Sintoanberung auf. 3m galfenberger Sanbe finben fid) bie alten beutfdien Ortsnamen SBeifeborf, Slrnsborf,

§ilbersborf. ©eppersborf, Seibersborf, 2Ri6elsborf. Siróberg, 'Pefersborf. 55aum=

garten, ©eifersborf, Oeutfcb=3amfe unb anbere. Oie ©ieblungsform ift bier all=

gemein bas ©frafeenborf.

3Beiter naib ©üben folgen bie ©täbtlein grieblanb unb ©teinau. 3m ©ebiet

»on Süls unb Dbergtogau liegen Oeutf<b=3DRöllmen. Oeutfcb^robnifs, Oeutfcb»

3Raffelroib. ©imsborf, ‘iRofenberg, ©cbbnau. Kuttenborf. griebersborf (griberici

»ilia 1300).*) ^ Sas mefflid) anfcblie&enbe 3Reuffabfer Sdnbtben iff »on beuffd)=

benannten SBalbbufenborfern erfüllt, bie unmittelbar in bie bes Śreslauer unb Olmüfter 33istumslanbes übergeben.

_ 3m füblitben Jeil bes §>er3ogtums ^ofel finben fid) ilRat)fird) unb |)einrid)sborf, füblid) im 2eobfd)üöer Sanbe fibliefeen an Slßnigsborf, Söernersborf, ©d)önbrunn, Oittmerau, Oeutfcb=3Reufird), Sangenau ufto.

©oioeit bie befprocbenen Oörfer im lib. funb. genannt finb, roeifen fie famtlid) Smfenglieberung unb ©elbsins auf. 3m gansen SBeffobergebiefe Oberfdilefiens, mit Slttsnabme ber Obernieberung felbff. berrfcbt bas ©trafeem unb Slngerborf, 3Balb- bufenbörfer fommen nur im SReuftäbfer ©ebiefe unb im 0ber=0[fa=3Binfel »or.

c) ® ie ® a t b b u f e n b o r f g e b i e t e i m © ü b e n .

(£inen roefentlid) anberen ©burufter bat bie beutfcbe ©ieblung in ben füblicben

©eilen »on Qberfcbleft'en, bie beute su 'Polen unb sur ©f<becboflot»afei geboren, in ber ©egenb um_2osIau, ©obrau, “iptefs, greiftabt, ©efd)en, 33ielit3, 2lit'fd)ioi^ unb Spfor. |>ier fpielt bas ©frajjenborf nur eine geringe SRolle, bas ©ieblungsbilb roirb »öllig beberrfd)t »on ben grofeen, planmäßig su ©nippen »ereinigten Sffialb“

bufenbörfern,**) bie ficb auf bas fdjärffte »on ibrer 3Rad)barfcbaft abbeben unb eine »iel genauere Slbgrensung bes Äolonifationsgebietes möglid) mad)en als im yiorben. ®ie ©ieblungssufammenbänge toeifen nid)f nad) ben anberen beutfd)en

©ebieten Oberfcblefiens, fonbern nacb bem SBeften. 93om Äublänbcben unb bem Äolonifatjonsgebiete Stfdjof ?3runos in Oftmäbren aus greifen bie 3öalbbufen=

börfer mit ©roß= unb ^![ein=^unsenborf ((tuncinborf 1300) in bas norbmefflicbe

© e f c b n e r © d i l e f i e n über, fversmanice (§>ermanini »illa 1300, Hermanns' borff 1447), ©d)onbof, ©cbönberg (©dmmbarg), 23lubot»iß (Glaube 1447)***), 'Petersmalb (“iPetirsroalbe 1300), ©uibau, 3l[bersborf, ©teinau, Slartoin (2lrnolbs=

borf 1331)****), Oleicbroalbau (9licbmroaIbe 1300), 5>eutfcb= unb sf3olnifd)=2eutben

*) ®ie SRamen für 1300 nad) bem liber funbationis.

**) 2luf ber Saite bei @ cf) l e n g e r (ff Ojr 35eibreitungsgebiet ju gering bargeffellt

* * * ) ©oftlieb 33 i e r m a n n, ©eftpicbte bes ^erjogtums Tefcben. 1894. 6. 8ö.

* * * * ) © . 9R. 1947.

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(15)

unb Sittmannsborf (S)itl)mart tijUa 1300) bilben einen gesoffenen Äomplej im

§>ügel[anbe aroifcben Oftramifea, Ober unb Olfa. ®ie lefetere mirb mit greiftabt tiberfdjritten. Oenfeits berfelben liegt ben ‘ipetrótofabacb auftoätts eine ganae Kette non SBalbbufenbörfern: ^etroroife (toabrfcbeinlid) bas 33ertbolbi nilla bes lib. funb.), SÖlartlotüife, ©eibersborf (©tffribi nilla 1300), Klein* unb ©rofe=Kun*

jenborf (Gutncainborf ^asconis unb principis 1300), fmslacb. ®iefem gleiilifam in grontlmie ftebenben 5)orffpftem folgt im Often ein alettes, weniger regel*

mäfeiges. SSon ©üben na^ 3torben finb es: nod) im Oefdmer ©ebiete 23aumgarten (33omgarte 1447) unb ^rucbna, bann nacf» ^ r e u f e i f d ) = © i ^ l e f i e n über*

tretenb unb allmä^lid) nad) SBeften umf^wentenb: “ipilgramsborf unb ©olaffotoife, ütuptau unb SDtosacaenife. Vorbild) baoon »erbreitert ftd) bie Slnlage aufeerorbent*

lidb unb greift im SBeften bis über Soslau, im Often über ^pteja hinaus. Oie näcbfte ginie bilben bie ©tabt Soslau unb bie Obrfer 9Bild)roa, SD'tfcbanna, 3aftraemb 3aftimborf 1447)*), ©olbmannsborf, ^Paulsborf (^atolotoitj), ©taube unb weiter pa=

rallel aueinanber, am nörbl. Ufer ber 2Betd>fet fenfredlt au biefer: ®eutfd>=2Beid>fel, tpotnifd)=2Beid)fel, Sonlau, ©ottfd)altowife (gegenüber ben 31ad>barbßrfern um 90 ©rab oerfeßt), ©au>ifIiÖ (3ansborf 1326)**) + üdubelsborf (fHuboltowih), SSRiebana (Kunaenborf 1326) + ©raawa. Unb enblid) eine leftte nörblid)e geile oon Slpbultau (Slubosborf, 5lubolfi oilla 1300), 23irtultau (SSertolbi oilta 1300), IRablin (3leblin 1300), 9Rarflowiö (URerclini oilla 1300), ‘poblom, ©d>wirilan,

©ogolau, Simmenborf, Sorin (SBoitcesborf 1354)***) Kreuaborf, 9Barf(howi^, Offin, Krier, 'Poremba, bis Slltborf bei ^piefj. 2lm 91orbranbe biefes 3Balbbufen- borfftreifens liegen bie ©täbte ©obrau unb ^pieft. Oie bftlidien Orte ab ©taube unb Krier reichen fd)on in ben Seil Oberfd)lefiens hinein, ber bamals aum Krafauer 23istum gehörte.

Oicfem aentraten iBIod finb Slufeeninfeln oorgelagert. Ulad) SBeften jenfeits ber Ober liegen bie Oörfer gabetfau (9leu=©d)urgersborf 1373)****) unb 31uberswalb, bie fid) jenfeits ber ©renae bes alten URühren unb ber Otmüfter Oiöaefe unmittelbar in fwatfd) fortfefeen, im ©üben fchliejaen an ©dullersborf, 2Rarfersborf, Subgerstal unb Untershofen.

3m Often ift ber ©prung oon ben “’Pleffer Oörfern au benen ber 93 i e l i ts e *

© P r a d> i n f e l ein geringer, nur bas altpolnifd) befiebelte 9Beid)feltat liegt ba=

awifchen. Oie 2lnorbnung ber “iBalbhufenbörfer um 93ielit$ ift weniger regelmäfeig.

Sinen äußeren Krana, ber ber “ipolonifierung erlegen ift, bilben SJlücfenborf (heute Oorfteil oon Saod>owih), ©ąed)owife (im lib. funb. 1300 (tbothowih theutonicum, bas

©elb aehntet, gegenüber Shotowih polonicum, bas „auf polnifd»e 2lr t" aebntef), yjuihborf, Ulteber'Kurawalb, Uviegersborf, |)ein3enborf unb ©rnsborf. 3n ber URitte liegen bie bis heute beutfd>en Orte 93ahborf, Slltbielita, Ober=Kurawalb (Sonrabiswalbe 1452)1), Kamife, SRifelsborf unb bie ©tabt 93telig felbft.

93on hier aus greift bie beutfcbe Kolonifation ohne Unterbrechung in bas ©ebiet oon 2I uf d>u?i h u n b g a t o r über. 2ln 93ielih fchüefeen bie heute nod» beut*

fchen Orte Kunaenborf (Sipnif) unb 2tlaen (Sllaenau no^ auf ber fwmannfchen Karte oon 1736) an. 3foliert liegt heute bie ©prachinfel 9Bilmesau. ©onft ift ber

*) Oie Slamen für 1447 nach bem Uieterspfennigrcgifter (geiffd). ö. 95er. f. ©efd).

©thleflens, 93b. 27, 1893, 6. 356 ff.)

**) Oie SRamensformen im Krafauer Unteil für 1326 in bem gebntenregifter bei S b e i n e r, Śltonumenta 9101. et Sitb., Uom. 1860, 93b. I, ©. 369 ff.

***) 956 e I h e l, ©efcbidlte ber ©tabt ©obtau in O. ©., 1888 ©. 26.

****) 958 e I h e l a. a. O. ©. 29.

1) © r ü n b a g e n = SJRarf graf , Sebns» unb 93efit)urfunben ©dilefiens. 93b. 2,

©. 264.

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(16)

%ntm bis aur 6oIa mit potonifierten SBalbbufenbörfern in unregelmäßiger 2lnorb=

nung ausgefultt: ^eftmin. SSilmesborf2) (fpater 2Utenborf, ©taramieś), 5>enten=

borf (®anfoiuice), ©ębreibersborf (^ifaraomiee), ©eibersborf (Äoapj. ®as Tal ber

©t>la ift non altpo(ni{d)en ®örfern erfüllt unb mirb nur burd) bie ©tabt 2ieben=

»erbe (Hętp) uberfdjritten. Oenfeits nerbreitert ficb bas ©pftem ber 3BaIbbufen=

börfer »ieber: Sutoroice (Sulborf), 2Biffo»ice (SPloosgrunb 1326)s, 4), S^iebed, Ofiel (SSratmannsborf 1310)5), ©lęboroice (Sbunborf 1326), Ipolanfa 3Bielta (bas t)ielleid)t bas 14006) genannte Äepmansborf ift) unb poręba SBielta (bas 14457) bem benad)barten alten ^aufenborf SBłoftennica ais bie „Słeue ^loßniß" ber „Söin- bifcben gloßniß" gegenübergeftellt »irb, alfo {ebenfalls beutfd) »ar). Sßeiter öftli<b ftretd)en in mächtigem guge non 2lnbrpd)au im ©üben nad) üJlorben: 58iepra, grp=

brpibomice (griberici oilla 1326), ©ieraltoroice (©erarbi oilla 1326, ©erartsborf 1400), ipiotromice ('’Petersroaib 1400), ^rąecisaó» (»abrfdjeinlid) bas urfunblid) öfters genannte f>artmannsborf). öenfeits liegen noch 3n»alb unb Tbocania. ®as

©!a»atal ift »ieber altbefiebelt, in ihm liegen nur bie beiben beutfcben ©tabtgrün- bungen Sleuftabt (gator) unb grauenftabt (3ßabo»ice). Oefflid) ber © ta»a folgen

©pptfomice, Saibomice, gpgoboroice (©d)ottenbau 1317), 3Bifano»ice (griebri(bs=

borf 1326), Älecaa, Sar»atb, gebrapboroice (©eibersborf). ®amit ift bie alte

©renae Rolens erreicht, aber auch an ihr machte ber beutfche 3?orffoß nicht f>alt.

©üblid) biefer großen ©ruppen liegen noch oereinaelt einige anbere 2Balbhufen=

börfer am guße bes ©ebirges. ©o Iflunaau füböftlich Tefdjen, bas fd)on 1223 ermähnt »irb, alfo ficher umgefeßt ift, bann bie bem Älofter Glauben gehörigen 2obpgo»ice (2ub»igsborf) unb g)ietirapfo»ice (gietersborf) im ©apbufcßer S3eden, ebenfo 9tpd)»alb öftlid) ©apbuföh-

d) ® a s U e b e r g a n g s g e b i e t i n b e r S R i t t e b e s 2a n b e s . groifd)en bem Sffialbhufenborfgebiete bes ©übens unb ben reinen ©traßenborf-- gebieten ber beutfcben Äolonifation im SRorben Oberfchlefiens liegt eine SWifchaone, in ber ftch beibe gormen berühren. Um bie ©tabt © I e i ro i ß reiht fid> ein engerer

^reis non mehr ober »eniger ausgefprochenen SBalbhufenbörfern: ^etersborf, Trpnef, Olichtersborf, Oftroppa (©ersborf 1447,*) ©troppenborf 1534), @d)ön=

»alb, ®eutfcb=germß. Sin biefen fchließt fid) eine Keihe weiterer Orte, bie nad) bem SSReßtifchblatte in ber gorm teils eine SSRittelftellung a»ifd)en 2SaIbhufen=

unb ©traßenborf einnehmen, teils Söalbhufenbörfer, teils ausgefptochene lange

©traßenbörfer finb: im ©üben <l|)reis»iß, ©ieraltoroiß, Snuro» (.^nauersborf 1455)**), Älein= unb ©roß=g3anioro, S3u{a!o», Ornontoroiß (iRepnsborff 1447), 2) ®ie Stamen Stunaenborf, SBümesau, SBilmesborf, ©entcnborf, ©djreibersbori,

©eibersborf, „|>eltfchiaborf" für f>ecsnaroroice, Simerbe, ^ulborf, 33ratmannsborf, Steuftabf unb grauffabt baben fich bis beute in ber SPtunbart ber Stelißer ©prad)=

infel erhalten, öor allem in SBilmesau. S5gl. SDt oj mi r - Ä l e c a f o m s t p 2Bör- terbud) ber beutfcpen SDtunbart oon SBllamoroice, Ärafau 1930, unb 2 a t o f i ń s ! i.

SDtonografja miaffecafa SBilamomic, Ärafau 1910.

3) 2 h e i n e r, a. a. O.

4) gum Sielißer unb 2lufcb»ißcr ©ebiet »gl. Srroih |) a n s l i !, tlulturgrenae unb Äulturaptlus in ben polnifd)en SEßcftbesfiben, Srg.^eft 158 31t ^etcrmanns SRiftei- lungen, ©ofha 1907.

5) ©ob. bipl. 1301. min. 330. IV. 6. 227.

®) 2ehnsurfunben. 33b. II. ©. 580.

7) Sehnsurtunben. S3b. II. .©. 588.

*) 3obannes £brä45äcä, ®rei bisher ungeflärte 13farrorte im 2trd)ipresbpterat

©leimiß. 3n: 3citfd)r. f. ©efch. ©chlefiens, 33b. 36 (1901), 6. 415—417,

**) St. 3B u t ! e, ®eutfches Siecht in Oberfchleficn im iDtitfelalter, in: 2lus Ober^

[chlefiens 33ergangenheit, ©leimiß 1921, ftellt eine Stcipe beutjiher Stamensformen aufammen.

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(17)

SHtbensto, 23elf, yatnaba; im 3Beften üRiebororoik, Äriemalb (Krtegtoalb 1534), SBilqa, ©moinife. Äieferftäbiel, 'rPoIsborf/ ©ierafomi^ (©ieraJoroife tbeutonicum 1300), äosIdk), SSraejinfa, ^Radtomi^, Skntfdioro, giubnau, Satfdie, SRubginie^; im Often gabrje ((Tuncenborf 1300) unb gabot^c.

®te Umgebung ocn 93 e u i f) e n jeigt reine ©trafeenborfer mit teilroeife beutfdjen tarnen: 6d;ombarg, Srogbevg (Jlofenberg 1532), 93r3e3omi|3 (Oiuperti »ilia 1277), Oeutfcb^ieiar.

2Beiter im Slurben finben fid> nur nocb Sluslaufer beutfdier Oorfnamen unb

©teblungsformen. 3m Softer ©ebiet liegen Ufionbslas (§»er3ogstoaib 1447), fobiom (bas 1300 ais oilla tbeutonicalis beseidmet toirb), Uangenborf (magna oilla 1300) unb ©d>tr>ieben. ©üblid) ©rofe=©treIiö finbet fid) ®eutfd)Iabn (1534) unb Äalt=

toaffer (©aibeborn 1447), meftlid) Sublinifc Uiffomife (Spffomif; tbeutonicum 1300).

e) U r ! u n b l i d > e S R a d i r i i b t e n 3u r 2 l n f i e b l u n g .

Oaten über bie 21 u s f e ts u n g ber genannten Slolonifafionsbörfer befifeen mir für bie gmeite Hälfte bes 13. Oabrbunberts nur wenige:*) ©cbönroalb 1269, ^6=

tersborf bei ©leiwits 1276, Oeutfd)=oerniß 1278, ^awloroik oor 1281 (unter |>er3og 2Blabislaus oon Oppeln), poręba 2öielfa bei 2lufd)miö 1286 (bod) ift bie betref- fenbe Urtunbe oieiieicbt gefalfd)t). Oa3U fommen nod) einige © r f t e r w ä b * n u n g e n oon fd)on beftebenben Oörfern: 93r3e30tot^ bei 93eutben 1277, Äosloto roeftiid) ©leitoife 1279, Oftroppa unb Oticbtersborf bei ©ieitoib 1286, ©oiaffotoife unb ©oibmannsborf füblid» ©obrau 1293, ©erartotoic 1295 (roobl bas im 2Iufd>witser ©ebiet), ^8ad)otoice füböftlid) Sator 1297, ©pptforoice öftiid) Sator 1304, Sobpgotoift füblid) 23ielit5 1310 ufto.

©s ift unter biefen Umftänben roid>tig für bie genauere geitbeftimmung ber Stolo»

nifation, bajj namentlid) bie 2ßalbbufenborfer ber 3entralen ©ruppe fd)on burd) ibre planmäßige, großaügige 2lnlage erfennen laffen, baß bter bie 93efieblung eines

»eiten ©ebietes in e i n e m g u g e burdjgefübrt »urbe. SBeitere gingerseige gibt bas aud) für Oberfd)lefien nad)ge»iefene 2öeid)bilbfpftem, bie gleiibseitige ©nte ftebung ber ©täbte unb Oörfer. gür bie ©täbte finb » ir etwas beffer unterrichtet.

23eutben wirb 1254 angefeßt, ©leiwiß beftebt 1276, 1272 loft ^ersog 9BIabislaus bas ©ut ©obrau ein, um es 3U einer ©tabt 3U erbeben. 2luf benfelben |>errfd)er (1246— 1281) gebt bem ©tabtnamen nad) au<b Soslau 3urüd. Siebenwerbe (Śętp) wirb 1277**) umgefeßt, beftebt aber fdwn eine fReiße oon 3abren, ba bei einem Seil ber §>ufen bie gretjabre fdion abgelaufen finb. Sefd)en erfi^eint 1290 als beutfd), gator erbält 1292 beutfcbes ©tabtred)t.

2im 3ablreid)ften finb bie Oaten für bie © l e i w i ß e r © r u p p e. ©ie tun für beren ŚSalbbufenfern mit genügenber ©id)erbeit bie ©ntftebung nod) unter 2Bla=

bislaus, alfo nod) im ungeteilten fiersogtum Oppeln, bar. ©ine wicbtige ©rgän=

3ung gibt ber um 1300 abgefaßte über funbationis. ©r beridRet, baß in SRadwwiß (weftlid) ©leiwiß) erft fed)s §ufen gablung leiften, bie übrigen bßben nocb greibeit.

©benfo laufen bie greijabre nod) in einem Seile oon gerniß unb ^Petersborf, in

©molniß, <piId)owiß, ©ieraltowiß, ©bubow, Sufafow, Ornontowiß unb Seif. Oie gebräuchliche gabl ber greijabre im ©ebiefe war 16— 20, oon ber wirtlichen 93e=

feßung ber ein3elnen |)ufen an geredmet. 2Benn nid)t fofort bei ber 2lusfeßung eines Ortes genügenb 2lnfiebler 3ur ©teile waren, oerftrid) alfo aud) ein längerer geitraum, bis bas ganse Oorf ooll 3ablte. 2Benn man bies berüdfid>tigt, fo paffen bie Oaten bes lib. funb. gut 3u ber oben erfd)Ioffenen 2lnfieblungs3eit. ©päter

*) Sf. 9B u t f e, ®eutfd)es 9ledĘ)t in Oberfcblefien im SRittelalter; iRegeften jur Jcblo fifdien ©efd)id)te, Sreslau 1875 ff.

**) ©ob. bipl. “pol. m 114.

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